Burgerladen in Mainz


Wiesbaden/Mainz, heikles Thema, vor allem bei uns. Freiwillig wechsle ich die Rheinseite selten, aber im Namen des Burgers muss man kleinere oder, wie in diesem Fall, riesige Opfer eingehen. Nachdem wir schon im Pomp waren, wurde ich in Kommentaren und E-Mails mehrfach auf eine ganz neue Location aufmerksam gemacht:

Burgerladen
Quintinsstraße 7
55116 Mainz

Der Burgerladen ist relativ zentral, aber doch unscheinbar im Zentrum gelegen. Mit Parkplätzen muss man Glück haben, allerdings ist gegenüber auch ein Parkhaus. Die Aufmachung selbst bzw. das Design fand ich gut: Sehr minimalistisch, viel Chrom/Edelstahl, einsehbarer Grill mit großer Edelstahlgrillplatte und nicht so schrecklich überstylt wie andere Locations. Kühlschränke für Getränkeselbstbedienung, Tische am Fenster, an denen man mit schrecklich wackligen Hockern sitzen konnte. Irgendwie schlecht, wenn man mit Burgerhänden andauernd vom Stuhl rutscht. Neonlicht, sehr hell. Voll war es, um halb 9, auch nicht sonderlich, so dass die Atmosphäre relativ entspannt war.


Was gabs zu futtern? Auch minimalistisch, nicht zu viel, aber das ist nicht verkehrt. Einen klassischen Burger mit Gurke, Salat, Tomate, Zwiebel, hausgemachter Soße, Ketchup und Mayo. Dazu noch andere Kreationen (Chili-Burger, BBQ, Veggie und Italian) die ich nicht zwingend brauche, in Deutschland aber wohl oder übel dazugehören. Gut auch, dass man sich zahlreiche Beläge für einen Aufpreis dazu“buchen“ kann, sozusagen „Build-a-Burger“, wie sie es dort nennen. 50 Cent mehr für ne Scheibe Cheddar find ich zwar nich sooo preiswert, aber insgesamt gibt man dann für den Klassik-Burger 4,40 aus. Das ist ok. Gewartet haben wir dann doch circa 10-15 Minuten, obwohl meiner Meinung nach nicht viel los war. Das ist nicht so ok, nehm ich aber in Kauf, wenn denn der Burger gut ist. Soviel also zur Theorie, hoffnungsvoll machten wir uns an den Praxistest und die Erprobung der neuen Dreifachfleisch-Bewertung.


Die Optik:
Gefiel. Der Burger kam nicht auf Designertellern mit Balsamico-Spritzern und Soßenspiegelchen, sondern in einem Plastikkorb auf Wachspapier; ziemlich authentisch also, wenn man mich fragt. Es sah auch essbar aus, also sauber gebaut, ohne verkleckerte Soßen, faulige Salatblätter etc. pp.! Im Burger steckte der (anscheinend hierzulande auch unumgängliche) Zahnstocher Holzspieß – warum auch immer. Entweder der Burger hält, oder er hält nicht.
Wertung: Dreifachfleisch

Das Brötchen:
Vielleicht das Beste bisher in Deutschland. Ob selbstgebacken oder gekauft weiss ich nicht, aber ziemlich gut. Mit Sesam, saftig, knatschig und wenn man hineinbeisst dann doch leicht knusprig/crunchy. Ich tippe, dass die Innenseite getoasted war. Warum es aber außen glänzte, erschloss sich mir nicht wirklich; eventuell werden sie gesteamed. Auszusetzen hatten wir nur, dass das Bun zu groß war für den Rest, vor allem das Pattie. Erst nach 2-3 Bissen Salatbrötchen kam man langsam in Richtung Fleisch. Ich will aber großzügig sein und weil ich es im Vergleich zu den bisherigen Brötchen hier wirklich lobenswert fand, gebe ich auch hier volle Punktzahl.
Wertung: Dreifachfleisch

Die Soßen:
Großer Minuspunkt hier. Drei Soßen (Ketchup, Mayo, hausgemachte Soße) sind mir ja per se schon zu viel auf meinem Burger. Aber dann kam hinzu, dass mir die hausgemachte Soße nicht schmeckte: irgendwie nach Salatdressing, unrund, für mich/uns unpassend, zu sehr nach Joghurt und Kräutern, zu wenig nach Burger. Insgesamt dadurch auch relativ dominant, man schmeckte sie ziemlich raus. Werde sie beim nächsten Mal abbestellen, nur Ketchup und Mayo sind meiner Meinung nach völlig ausreichend.
Wertung: Keinfleisch

Der Käse:
Laut Karte Cheddar, dem will ich auch Glauben schenken. Man schmeckte (wohl wegen der Soße) relativ wenig davon, von daher kann ich nicht viel dazu sagen. Allerdings wurde er wohl rechtzeitig auf dem Grill auf das Fleisch gegeben, so dass er noch schön verlaufen konnte und optisch nicht wie von ner Käsestulle geflüchtet wirkte.
Wertung: Zweifachfleisch

Die Beilagen:
Vielleicht die unproblematischste Kategorie, denn hier kann man ohne groß nachzudenken genau das hinbekommen, was wirklich auf einen guten Burger gehört. Sprich: Salat, Gurken, Tomaten, Zwiebeln, allesamt vorhanden, allesamt weitestgehend frisch. Persönlich bevorzuge ich weiße statt rote Zwiebeln, das ist aber Geschmackssache. Störend war lediglich, dass etwas zu viel Salat benutzt wurde. Aber immerhin war es grüner Salat bzw. Eisberg und keine exotische Kreation. Nothing fancy, but good.
Wertung: Zweifachfleisch.

Das Fleisch:
Hm. Geworben wird mit Bio-Rind, das will ich auch gerne glauben. Allerdings führt das hier, wie auch in anderen Burgerläden in Deutschland, dazu, dass das Fleisch, wenn es durchgebraten wird, wie es hier der Fall war (Geschmackssache und im Zweifelsfall sicher besser), recht trocken wird. Das ist die Eigenschaft von Biofleisch/Biorind. Es war in diesem Fall nicht dramatisch, aber fällt auf. Das Pattie war von der Konsistenz her ok, von der Größe eventuell zu klein. Wäre das Brötchen kleiner gewesen, wäre das „zu kleine“ Pattie aber wiederum genau richtig. Kann man nun drehen/wenden wie man möchte. Eigentlicher Kritikpunkt: Für unseren Geschmack war das Fleisch überwürzt, also nicht nur mit Salz/Pfeffer, sondern einer Gewürz-/Kräutermischung, die man deutlich rausschmeckt und uns nun nicht wirklich zugesagt hat. Insgesamt ein durchschnittlich okayes Fleischerlebnis.
Wertung: Einfachfleisch.

Die Gesamtwertung:
11 von 18, entspricht 1,83 von 3-fachfleisch
Das ist nun aufgrund unseres neuen Bewertungsschemas ziemlich super: Man kann addieren, dividieren, und schon hat man ein Testscore. Insgesamt war ich mit dem Burgerladen trotz dem ein oder anderen Makel und Abzügen in der B-Note und TROTZ DER STADT IN DIE MAN SICH BEGEBEN MUSS zufrieden. Bodenständig, Besinnung auf das Wesentliche, ergo der Versuch, einen authentischen Burger zu servieren. Mit Abstrichen gelingt das, bisher einer der besseren Burger in Deutschland, überdurchschnittliche Punktzahl. Aber noch nicht der Gipfel. Tzja, die Suche geht weiter.