Burger in der immerwachen Stadt

Selten habe ich mich so auf einen Blogartikel gefreut. Noch nie war ein Artikel hier so umfangreich. Noch nie reisten wir für einen Artikel über 6000km. Und noch nie hatten wir so gute Testobjekte. Wie schon die Charaktere in der CBS-Comedy How I Met Your Mother machten wir uns auf die Suche nach NEW YORKS bestem Burger. Richtig. New Yorks bestem Burger. In New York. Vor Ort.


Ein enormes Projekt, ausgehend davon dass der Big Apple wahrscheinlich mehrere hundert Lokalitäten hat, in denen sich Dreifachfleisch austoben könnte. Könnte. Hätten wir gerne, ging aber natürlich nicht. Deshalb mussten wir uns vorab durch Internetrecherche auf eine kleine Auswahl festlegen. Und für nur 3 Tage in New York war das, was wir uns vornahmen, schon sehr ambitioniert:

Burger Joint at Le Meridien
Shake Shack
Corner Bistro
Spotted Pig
Intercontinental Hotel (48th Street)
5 Napkin

Eine gute Mischung: Hotels, Bars und richtige “Burgerläden”. Alles in allem wohl schwer miteinander vergleichbar, da sich die Burgervarianten wohl zu sehr unterscheiden würden. Aber wir wollten einen Querschnitt. Und evtl. Ansätze für weitere Forschungsreisen finden.Gesagt getan, ohne lange Vorrede (chronologisch) hinein in die Stadt die niemals schläft…

Erster Stop: Burger Joint at Le Meridien. Klang vorher komisch: eine sehr bodenständige Burgerbar/bude in einem Luxushotel. Man findet es auch nicht direkt, denn der Eingang ist in einer Art Seitengang, nur mit einem winzigen Burgerneonschild gekennzeichnet. Aber dann kommt man hinein und denkt man ist in einer Collegebar. Holzwände (natürlich von den Gästen beschrieben, und dann auch von Dreifachfleisch, wer findet es?), Sitzecken, “Booth” genannt. Verrückt, völligst. Und alles total einfach gehalten. Im Prinzip gibt es nur einen Burger (plain Burger halt, wahlweise mit Käse), den man sich dann “aufstocken” kann. Fries, Soda, das wars mehr oder weniger.


Wir nahmen “The Works”, sprich mit allem drauf, was man auswählen kann. Ketchup, Mayo, Zwiebeln, Salat, Gurke, Tomate. Es sieht auf dem Foto nicht unbedingt so aus, aber… oh… mein… Gott. Unfassbar gut. Im Internet las ich hinterher eine sehr passende Beschreibung, sinngemäß in etwa “the Works is a greasy mess, but it tastes oh so good”. Also: The Works ist ein fettiger Haufen, der aber so gut schmeckt. Besser kann man es kaum formulieren. Absolut frisches Fleisch, nach der Bestellung auf den (einsehbaren) Grill geschmissen und nach Wunsch gegrillt (Medium ist hier die Wahl, alles andere macht keinen Sinn). Und der Burger zergeht dann wirklich im Mund. Saftig. Zart. Würzig. Ketchup/Mayo-Gemisch dazu geben dem ganzen eine fast cremige Konsistenz. Dazu das weiche Bun, alles perfekt passend und eine sehr sehr sehr gute Atmosphäre im Laden. So stellt man sich einen Start in New York wohl vor. Ich fragte danach ernsthaft, was denn nun noch besseres kommen könnte. Ziemlicher Favorit also, beide Daumen hoch.

Zweiter Stop: Shake Shack. Hahaha, ich nehms vorweg, die zwei Highlights hatten wir wohl ganz am Anfang. Shake Shack hat sein “Headquarter”, also die ursprüngliche Location, im kleinen Park direkt am Flatiron Building. Eine Art Imbissbude, aber soviel mehr als nur das. Gedacht ist es als Zwischenstufe zwischen Fast Food und Restaurant, erschwingliches Essen, das trotzdem mit frischen Zutaten zubereitet wird. Der Hype darum war bzw. ist ziemlich groß und die Schlange gerade mittags sehr lang (deshalb kann man sie mit einer Webcam beobachten und sein Timing perfektionieren). Und auch wir bewiesen Willen und Ausdauer: 45 Minuten warteten wir auf die Erfüllung unserer Träume.


Abgesehen von Hot Dogs, Eis etc. ist das Burgerangebot auch hier begrenzt: 3 Burger (Beef, Cheese, Shake Burger) und 2 Varianten (Single Pattie, Double Pattie). Wir testeten Double Cheese und… ich sagte es eben ja schon einmal “OH. MEIN. GOTT.” Fast noch besser als Station 1. Butterzartes, frisches (vorher nicht gefrorenes) Hackfleisch; ich wusste bisher nicht mal, bzw. erträumte es mir nicht, dass man das so hinbekommen kann. Dazu eine Art Kartoffelbun (das mit dem Kartoffelanteil las ich im Internet, weiss aber nicht, ob es stimmt), das leicht gebuttert wird und dadurch auch weich und sehr sehr lecker wird. Getoppt von einer Thousand Island Soße, die in dieser Art auch beim kalifornischen In’N’Out verwendet wird. Geschmacklich oberste Spitzenklasse, auch hier schmilzt der Burger fast im Mund. Man beißt rein und es ist einfach nur saftig und frisch und unglaublich gut. Ich kann es eigentlich nicht treffend beschreiben, man muss es offenbar selbst ausprobieren (und wir probierten und probierten und…). Wir waren nicht in New York, wir waren im Burgerhimmel.

Dritte Station: Corner Bistro. Vielleicht “die” Institution in New York wenn es um das Thema Burger geht. Ein richtiges Bistro bzw. eine Art Pub im szenigen West Greenwich Village. Dunkel, atmosphärisch, ziemlich authentisch. Beim Reingehen kann man schon in die Küche blicken und sieht einen Haufen bereits portionierter Hackfleischklumpen, die auf ihren Bestimmungsort, den Grill, warten. Ziemlich riesige Klumpen übrigens, denn die Bistroburger in New York kennzeichnen sich durch üppige Beefpatties, meistens frisch gegrillt und standardmäßig medium zubereitet. Hier natürlich auch. Und auch hier konnte man nur zwischen den Varianten Burger, Cheese, und Bistro Burger (mit Bacon) wählen. Letzteren bestellten wir. Abwarten. Reinbeissen. Und…


… Corner Bistro hält seinen Ruf. Außen kross gegrilltes Fleisch, innen zart, saftig, frisch, reichhaltig. Fester in der Konsistenz als die vorangegangenen Burger, ja, vielleicht “rustikaler”. Wenig Schnickschnack dazu, Gurke, Zwiebel, Tomate. Ketchup und Senf auf dem Tisch, nimmt man sich also selbst, was ich gut finde, weil ich das gerne selbst dosiere. Und genauso stellt man sich einen Bistroburger vor: Allein von ihm wird man satt und er erinnert an das, was man zu Hause vom Grill holt (wenn man es kann). Und das hier war ziemlich gut. Insgesamt auf jeden Fall die vielen Vorschlusslorbeeren, die das Corner Bistro erntet, wert. Ganz anders als die ersten beiden Stationen, aber auch ziemlich gut.

Vierte Station: Spotted Pig. Nur wenige Minuten vom Corner Bistro entfernt und (auf urbanspoon) als eines der besseren New Yorker Restaurants gehandelt. Zumindest als eines der besseren Szenerestaurants. Wir hatten vorher gehört, dass es auch sehr gute Burger geben soll und den Laden deshalb auf die Agenda gesetzt. Allerdings gibt es eine wechselnde Karte und während es heute den einen Burger gibt kann es morgen schon einen ganz anderen geben. Wir jedenfalls hatten nur die Option, einen Burger mit Blauschimmelkäse zu bestellen. Taten wir dann.


Hätten wir eventuell sein lassen sollen. Der Blauschimmelkäse war geschmacklich sehr dominant und wurde durch nichts ausgeglichen (Apfel oder andere Dinge sind zum Beispiel super dazu, fehlten hier aber). Sehr sehr käsig und streng. Dazu war das medium bestellte Pattie eher well done und das Brötchen sehr kompakt und zäh im Mund. Eigentlich hatte man im Endeffekt nur den intensiven Blauschimmelkäsegeschmack im Mund, gepart mit der schlechten Kaubarkeit des Brötchens. Kurzum: man hat es kaum runterbekommen. Von daher: artig aufessen, Mund abputzen, weiter gehts. Burger sollte man hier vielleicht nicht bestellen (wobei die Fries, hier Bootstraps genannt, mit Rosmarin, ziemlich fantastisch sind).

Fünfte Station: Intercontinental Hotel (48th Street). Fast schon Tradition. Mein Vater strandete hier am 11.9.01 für mehrere Tage und aß jeden Abend an der Hotelbar einen Cheeseburger. Auch ich tat das bei meinem ersten NY-Aufenthalt. Und auch diesmal. Man bekommt auch nur diesen Cheeseburger (also keine anderen Varianten) und auch nur auf Nachfrage, denn auf der Karte steht bzw. stand er nicht. Aber nachdem wir unsere Story erzählt und uns mit dem Barkeeper unterhalten hatten, verschwand er in der Küche um den Koch mit unserem Wunsch zu beautragen. Zum Glück.


Bisonfleisch, großes, dickes Pattie. Nach Wunsch zubereitet. Natürlich medium. Hier würde man unter normalen Umständen nicht hingehen um einen Cheeseburger zu essen, geschweigedenn einen solchen, gut zubereitet, überhaupt vermuten. Im edlen Interieur ist das aber eine wirklich interessante Erfahrung und… der Burger ist wirklich gut (sowie teuer). Sehr sehr gute Fleischqualität und hier auch wirklich medium zubereitet. Eigentlich insgesamt vergleichbar mit dem Corner Bistro, vom Style her also ein Bistro Burger. Salat, Gurke, Tomate, auch hier Ketchup optional auf der Bar. Wir waren uns einig, dass das Bun vielleicht das beste war, welches wir in NY hatten. Außen kross, innen weich. Ziemlich perfekt also. Und insgesamt auch ein ziemlich guter Burger.

Sechste und letzte Station: Five Napkin Burger. Zugegeben, ein wenig geschummelt, denn wir besuchten keine der New Yorker Filialen, sondern die in Boston (Zeitmangel, seufz). Aber da wir davon ausgehen, dass die Qualität identisch ist und da wir es unbedingt probieren wollten (gute Internetkritiken), lösten wir das Zeitproblem auf diese Weise. 5 Napkin ist optisch eine edle Sportsbar, groß, getäfelt, ambitioniert. Auch die Karte hat eine Vielfalt von Speisen, die man in Sportsbars erwartet (Fingerfood etc.) und dann auch wieder ausgefallene, asiatische Dinge. Bekannt sind sie aber für Burger und bieten diese in verschiedenen Formen an (u.a. auch einen mit Geflügelhack). Wir wollten es aber “original” und nahmen den Original 5 Napkin Burger mit
“10oz. custom ground beef, caramelized onions, gruyere cheese, rosemary aioli, soft white roll”. Also einmal etwas anderes: Gruyere-Käse und Rosmarin-Aioli. Ich befürchtete zunächst ein ähnliches Fiasko wie im Spotted Pig.


Unbegründet, völligst unbegründet. Der Burger war super und ganz anders als die, die wir zuvor hatten. Durch die Rosmarin-Ayoli und den Gruyere-Käse hat er einen ganz eigenen aber trotzdem sehr guten Geschmack erhalten. Das Fleisch war abermals im Bistro-Stil, also dickes Pattie, sehr sehr dickes, üppiges Pattie. Außen kross gegrillt, innen medium bzw. vielleicht eher medium-well. Omnomnom. Ketchup stand bereit, brauchte man aber aufgrund der Aioli gar nicht. Besonders gut fand ich das Bun, welches eher ein Brötchen war, wie man es aus Deutschland kennt: Fast schon etwas knusprig und sehr gut passend zum Gesamtaufbau des Burgers. Wir haben den Burger im Anschluss noch als Slider (einer kleinen Version) probiert und waren absolut überzeugt. Schade nur, dass wir es nicht geschafft haben, die Original-Location(s) in New York zu besuchen.

3 Tage, unzählige Burger. Dann ging es leider weiter und wir mussten den Big Apple hinter uns lassen. Was bleibt sind Erfahrungen, die wir nicht vergessen werden. Viele gute Burger, nur ganz wenige Enttäuschungen. Und die Gewissheit: es ist wahrlich nicht einfach, den besten Burger New Yorks zu finden. Vielleicht ist es sogar unmöglich. Man hätte noch mehrere Monate, wenn nicht Jahre bleiben müssen, um alles auszuprobieren, was es auszuprobieren gibt. Aber was wir vorhatten, haben wir realisiert: einen guten, repräsentativen Querschnitt bekommen.


Egal wo man schaut, Meridien und Shake Shack werden fast immer genannt, wenn es um New Yorks Burgerkultur geht. Und wo hatten wir ihn nun, den, für uns, besten Burger? Schwer zu sagen. Shake Shack war anders, saftig, gut. Unglaublich gut. Ebenso der Burger im Le Meridien.  Dazu beide in unverwechselbarem Ambiente. Auch die Bistro-Burger waren spitze (Spotted Pig einmal ausgenommen). Und der 5 Napkin Burger hat, von der Zusammenstellung her, meinen Burgerhorizont erweitert. Müsste ich mich festlegen, und das muss ich hier nun wohl, würde ich als persönlichen Favorit aber………………….. SHAKE SHACK nennen. Das Zwischending aus Fast Food und Bar Food, in der idyllischen Szenerie des Madison Square Parks, der saftige, zarte, geschmacklich unverwechselbare Burger… das war schon etwas besonderes.

Eins ist aber auch klar: wir können es nicht bei diesen wenigen Burgern belassen. Wir müssen wiederkommen. Und weiteressen.