Ching Chang Chong's Diner!

Für den ein oder anderen mag es komisch klingen, aber Deutschland besteht nicht nur aus Frankfurt, Wiesbaden und Mainz sondern hat noch viele weitere Facetten. Um diese zu entdecken, machten wir uns auf nach Franken, genauer gesagt nach Nürnberg. Das die Menschen in dieser Region nebst hervorragendem Bier, prestigeträchtigen kulinarischen Innovationen wie dem „LKW mit ABS“ (dt.-Übersetzung = Leberkäsweckla mit a bissla Senf) auch ein Herz für Burger haben, ist nicht erst seit Uli Hoeneß und seinem Nürnburger weithin bekannt. Nach einer intensiven, an geheimdienstähnliche Arbeit erinnernden Internet-Recherche, kamen wir zu dem Schluss einem klassischen amerikanischen Diner in der Nürnberger Altstadt einen Besuch abzustatten:

The Original Chong’s Diner
Obstmarkt 5
90403 Nürnberg
www.chongs-diner.de

Das Chong’s Diner liegt idyllisch gelegen in unmittelbarer Nähe zum Hauptmarkt und vielen anderen Nürnberger Highlights in und um die beiden Ufer der Pegnitz. Das altbekannte großstädtische Parkplatzproblem war jedenfalls abends keins und so konnten wir unsere Testreise problemlos beginnen. Das Chong’s bedient sich an der amerikanischen Diner-Kultur, mit roten Sitzecken, Emaille-Schildern vergangener und noch bestehender großer Marken, mehr oder weniger schönen Fernsehern und Ketchup-Flaschen auf dem Tisch. Je länger wir dort saßen, desto mehr trübte sich jedoch der erste positive Eindruck etwas ein und wir kamen zu Schluss, dass der Laden gegen ein paar frische Eimer Farbe im Rahmen einer groß angelegten Frischzellenkur sicherlich nichts einzuwenden hätte. Doch wir sind ja hier nicht bei „Mieten, Kaufen, Wohnen!“ und die Optik spielt eigentlich gar keine Rolle. Insgesamt war das Chong’s zwar nicht bis auf den letzten Platz belegt, jedoch waren innen wie außen bis auf wenige Ausnahmen fast keine Plätze mehr frei. Schon mal ein gutes Zeichen, dachten wir uns!

Die Karte offenbarte eine unglaubliche Vielzahl an amerikanischen Gerichten. Die Burger-Karte verteilte sich auf zwei Seiten und machte bis auf ein paar Ausnahmen, wie den Chinatown-Burger (mit gebratener Hühnerbrust und Erdnusssauce) einen durchaus soliden Eindruck. Die Preise beginnen für einen einfachen Hamburger bei 9,50€ und alle übrigen Burger kosten um die 11,50€. Man kann zwar Extras fordern, jedoch nur gegen einen Aufpreis (z.B.: Austausch Pommes gegen Country Potatoes 1,20€). Die Größe der Portionen auf den anderen Tischen kündigte schon an, dass die am Schluss anstehende Rechnung zumindest in der Quantität einen ordentlichen Gegenwert haben sollte. Auch die Bedienungen waren trotz der vielen Gäste engagiert und immer bemüht uns den nächsten Wunsch zu erfüllen. Dies ist trotz meiner Liebe zu Franken, hier nicht unbedingt immer eine Selbstverständlichkeit. Ich bestellte aufgrund der durchaus kompetenten persönlichen Beratung der Bedienung einen Joschua’s BBQ-Burger mit Rindfleisch-Patty, Speck, Edamer und BBQ-Sauce. Des Weiteren bestellten meine Mitesser einen Bonanza-Burger sowie einen Mexican-Burger. Da wir unsere Tomaten drauf ließen, konnte das Chong’s diese mittlerweile fast sagenumwobene Klippe erfolgreich umschiffen.

Die Optik:
Insgesamt war die Optik durchaus positiv zu bewerten, das Fleisch war am richtigen Platz, das Salatblatt sah frisch aus. Leider mussten wir alle erstmal ca. 50 Pommes aus unserem Burger ziehen, die sich dahin verirrt hatten.
Wertung: zweikommafünffachfleisch

Das Brötchen:
Das Brot war eine Überraschung. Es war perfekt getoastet und hatte auf der inneren Seite sogar noch Röststellen. Zudem war die Temperatur so, dass das Brötchen sogar nach der Lieferung an den Platz noch ausreichend warm war. Das einzige Manko war die Größe, denn das Brot passte leider im Durchmesser nicht auf das Fleisch. Es könnte Sinn machen auf jeder Seite einfach 1cm abzuschneiden oder ein einfach ein kleineres Brötchen zu verwenden.
Wertung: zweikommafünffachfleisch

Die Toppings:
Zunächst die gute Nachricht, alle Zutaten waren frisch. Soweit so gut – das war es dann aber auch schon. Leider war die Zusammenstellung nicht sehr geglückt. Eine Salatgurke gehört in den Salat aber nicht auf einen Burger, zumindest nicht auf einen guten Burger. Nun zu den schlechten Nachrichten. Der Bacon war da, aber irgendwie auch nicht. Vielleicht einfach etwas länger grillen, so dass das ganze etwas krosser ist. Schön das was drauf war, aber das nächste mal bitte mit mehr Geschmack.
Wertung: einfachfleisch

Die Soßen:
Hier gingen die Meinungen auseinander. Die BBQ-Sauce hieß auf der Karte so, war aber mehr eine gestreckte Ketchup-Sauce. Insgesamt fade und wohl nur über viele Ecken mit echter BBQ-Sauce verwandt. Die Soße auf dem Bonanza-Burger war mutmaßlich besser, wobei man sich streiten kann, ob so etwas auf einen Burger gehört.
Wertung: einskommafünffachfleisch

Der Käse:
Der Edamer war zwar zu sehen aber leider nicht zu schmecken. Der Chester muss wohl die bessere Wahl gewesen sein, aber vielleicht sollte der Koch die 5 Cent Mehrkosten in Kauf nehmen und 2 Scheiben Käse drauf legen.
Wertung: einfachfleisch

Das Fleisch:
Das Fleisch war die Schokoladenseite des Burgers – das wa einstimmige Meinung. Das Fleisch war saftig, selbst gemacht, Röststellen waren vorhanden und sogar ein paar rosa Stellen noch zu sehen. Auch die Gewürze waren gut abgestimmt. Insgesamt wirklich sehr delikat. Wenn man jetzt noch wählen könnte, welchen Gargrad das Fleisch haben soll, wäre sogar dreifachfleisch möglich gewesen.
Wertung: zweikommafünffachfleisch

Die Gesamtwertung:
11 von 18 Punkten, entspricht ordentlichen 1,83 von 3-fachfleisch.
Insgesamt ein ordentlicher Burger mit Potenzial nach oben, wenn die ein oder andere Kleinigkeit behoben würde. Vielleicht ein bisschen weniger Pommes auf den wirklich sehr vollen Teller und dafür etwas bessere Toppings. Ansonsten ist es durchaus ein solider Tipp für hungrige Nürnberger und Touristen.