Schweden – Wälder, Elche. Burger?

Manchmal erlebt man auch in der Burgerwelt noch Überraschungen! Als wir nach London flogen, hatten wir immerhin eine Ahnung, dass wir auf eine lebhafte Burgerlandschaft stoßen würden. Dass das in den USA der Fall ist, war auch klar. Aber in Schweden?! Damit verbindet man doch eher endlose Wälder, Seen, hübsche rote Häuschen und Elche. In der Küche viel Fisch, Wildfleisch, Suppen, Gebäck. Sicherlich hatten wir nicht erwartet, dass es nicht nur eine, sondern (mindestens!) zwei nationale Burgerketten geben würde und im Supermarkt eine weitaus größere Auswahl an Burger-Zubehör zu erwerben ist, als in Deutschland. Wie man sehen wird, kam erstens alles anders und zweitens als man dachte!

Zunächst mal, noch in Malmö, mussten wir feststellen, dass McDonalds und BurgerKing zwar präsent sind, aber nicht allein. Während es in Deutschland keine nennenswerte Konkurrenz zu den amerikanischen Platzhirschen gibt, drängend sich in Schweden zwei nationale Ketten zwischen die US-Burger und überholen sie sogar mit einer gewissen Omnipräsenz: Max Burgers und Sibylla. Letztere haben wir nun „zwischendurch“ einmal kurz getestet, Max allerdings wurde zweimal besucht. Besonders gefällt hier, dass Max sich auf verschiedenen Wegen für mehr „sustainability“ einsetzt, und als „green company“ gilt, also sehr umweltfreundlich agiert. So wurden zum Beispiel 2010 66000 Bäume in Afrika gepflanzt, um dem Klimaeinfluss des Konzerns auszugleichen (ob das nun PR oder sinnvoll ist – keine Ahnung, klingt aber nett).

Aber zurück zum wesentlichen. Was Max von den anderen Ketten abhebt: die Burger werden „made to order“ zubereitet, also erst wenn sie bestellt werden (ähnlich wie bei kleineren US-Ketten, z.B. Five Guys). Sämtliche Zutaten sind größtenteils schwedischer Herkunft und das Fleisch den Angaben zufolge lokal. Aufbau und Auswahl bieten natürlich keine Innovationen, die fertigen Burger sehen aber aufgrund der zeitnahen Zubereitung frischer und meistens sogar fast so wie auf der Bestelltafel aus! So ganz nebenbei schmecken sie auch noch ziemlich gut: Ich hatte zum Beispiel einen Burger mit verschiedenen Käsesorten, der für einen Ketten-Burger geschmacklich wirklich top war.

Bei Max kann man aber auch zwei schwedische „Besonderheiten“ feststellen. Zum einen haben die Patties einen hohen Widererkennungswert. Sie erinnern ein wenig an Sausage Patties, die es in den USA manchmal gibt. Etwas feinere Textur und etwas „wurstiger“ (jaja, haha) im Geschmack. Bei Sibylla liegt es daran, dass es Mixfleisch aus Schwein/Rind ist, bei Max hingegen wird u.a. Kartoffelmehl zum Rindfleisch gegeben. Zum anderen gibt es bei Max (und Sibylla) eine spezielle Burgersoße, die der von Shake Shack ähnelt. Also eine Mischung aus Ketchup und Majo, leicht süßlich aber in nicht allzu großer Dosierung sehr gut passend.

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Was direkt zu einer weiteren Erkenntnis führte: Schwedische Supermärkte sind besser auf Burgerhunger vorbereitet als deutsche. Mit Hotdog-Material hatten wir gerechnet, aber nicht mit diesen vergleichsweise paradiesischen Zuständen im Burgersortiment. Das fängt mit einer schier unfassbaren Auswahl an Soßen an, geht über peeerfekte Brötchen, ähnlich wie in London schon, und endet beim Fleisch. Die oben beschriebene Burgersoße gibt es in diversen Ausführungen, sowohl im Soßenregal als auch in der Frischetheke, u.a. auch die Originalsoßen der Ketten. Originale kann man auch aus dem Brötchenschrank ziehen: Max-Brötchen sind sogar in kleinen Supermärkten zu kaufen. Dazu noch viele andere Burgerbrötchen und, viel wichtiger, fast alle sind sehr brauchbare Softbuns, die einem nicht beim Anatmen mit einem Bröselsturm antworten.

Alles steht und fällt jedoch natürlich mit dem Fleisch. Dass die Qualität annehmbar sein würde, hatte ich erwartet und irgendwie hatte ich auch schon im Hinterkopf, dass man vielleicht mal 2 Kilo Hack kauft und ein paar Burger brät. Aber – viel einfacher. Im Frischfleischbereich (und auch in der TK-Truhe, die haben wir aber ignoriert) gibt es diverse Sorten fertig geformter Patties aus lokalem/regionalen Fleisch, die einem die Arbeit ein klein wenig erleichtern. Generell formen wir die Teile eigentlich lieber selber, aber ich muss gestehen, dass es auch angenehm ist, wenn man es mal nicht machen muss. Der Geschmackstest hat zusätzlich das „schlechte“ Gewissen erleichtert, denn das Fleisch war sehr aromatisch und kein Vergleich zu deutschem Discounter-Hack. Auch hier übrigens eine etwas feinere Konsistenz, nicht so fein wie Brät, aber auch nicht so grisselig wie das Rinderhack hierzulande oft ist.

Alles in allem waren dies äußerst interessante Erfahrungen. Es ist faszinierend, dass in einem vergleichsweise dünn besiedelten Land wie Schweden eine nationale Burgerkette so viel Erfolg haben kann, dass sie in den großen Städten McDonalds hinter sich lässt. Der Fokus auf lokale Zutaten tut jedenfalls sowohl den Ketten, als auch den Supermärkten gut! Für den nächsten Aufenthalt muss man sich dann nur ein klein wenig besser vorbereiten und nicht nur Elche sondern eventuell auch „richtige“, einzigartige Burgerrestaurants unter die Lupe nehmen.

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