Ju(i)cy Lucy

Eigentlich ist dies teils Rezept, teils Warenkunde. Denn hinter dem geheimnisvollen Begriff „Ju(i)cy Lucy“ steckt nicht nur ein ausgedachtes Rezept, sondern vielmehr fast schon ein kultureller Disput. Zunächst mal ist eine Ju(i)cy Lucy nicht mehr und nicht weniger als ein Cheeseburger. Allerdings ein besonderer Cheeseburger, denn der Käse wird nicht auf das Patty gelegt, sondern befindet sich im Inneren. Die „Erfindung“ dieses Burgers ist grob nach Minneapolis, MN in den USA zurückzuführen. Hier verschwimmt es dann aber etwas. Sowohl Matt's Bar („home of the original Jucy Lucy“) als auch der 5-8 Club („The Jucy Luicy was born“) streiten sich darum, wer die originalere Ju(i)cy Lucy hat. Dies erklärt übrigens auch das „(i)“: während bei Matt's Jucy Lucys verkauft werden, kann man im 5-8 Club Juicy Lucys mit i erhalten. So unterscheiden sich die zwei Streithähne immerhin im Namen, wohingegen beide standhaft behaupten, den Burger in den 50er Jahren erfunden zu haben. Dem Thema haben sich schon diverse Shows (vor allem „Man v. Food“ und „Food Wars“ auf dem Travel Channel in den USA) und auch der Film (zum Buch) „Hamburger America“ von George Motz angenommen. Wer die Nase vorn hat, werde ich nicht aufklären können. Was ich allerdings kann: eine Juicy Lucy nachbauen.

Allzu viele Rezeptangaben kann ich gar nicht machen. Als Highlight-Beilage machten wir „Pickled Red Onions“, d.h. in Essig eingelegte rote Zwiebeln. Dazu haben wir einen Tag vorher eine rote Zwiebel in Ringe geschnitten und sie in einer Schüssel mit einem Teelöffel Zucker und dunklem Balsamico bedeckt über Nacht ziehen lassen. Vor dem Belegen dann einach in ein Sieb geben und den Essig abtropfen lassen. Ansonten waren Brötchen und Toppings bei diesem Versuch etwas im Hintergrund, d.h., wir nahmen Soft Buns aus Schweden sowie normales Ketchup,  die Zwiebeln, Rucola. Dem Fleisch bzw. dem Patty und seiner Zubereitung widmeten wir dahingegen sehr viel Aufmerksamkeit und Sorgfalt:

Für 4 Patties:
– 500g Rinderhack
– 4 (oder 8, falls doppellagig gewünscht) Scheiben (kräftiger) Käse, z.B. Raclettekäse

Wenn man 4 fertige Lucy-Patties haben möchte, muss man die 500g Hack zunächst in 8 ungefähr gleiche Portionen teilen. Aus jeweils 2 davon wird dann die Lucy geformt. Idealerweise sollte man hierzu wohl eine Burgerpresse oder ein ähnliches Hilfsmittel benutzen. Man presst zunächst die Unterseite, auf die dann mittig, aber nicht zu weit zum Rand hin, der Käse platziert wird (dabei bleibt alles in der Form!!). Dann drückt man die zweite Portion Fleisch leicht drauf und presst dann „Oberteil“ auf „Unterteil“. Wenn man das vorläufig fertige Patty aus der Form genommen hat, muss man die Schnittstellen, an denen die 2 Fleischteile aufeinanderliegen, noch gründlich glattstreichen, damit beim Braten kein Käse austreten kann. Man kann das Patty dann auch noch so andrücken, dass es zur Mitte hin etwas nach unten gewölbt ist. Das verhindert mehr oder weniger, dass sich das Fleisch beim Braten zur Mitte hin nach oben wölbt.

Ich hatte bisher nur einen Versuch, aber aufgrund dessen Gelingens und meinen weiiteren Burgererfahrungen würde ich empfehlen, möglichst eine Gusseisenpfanne zu nehmen bzw. eine Pfanne, die sehr, sehr heiß werden kann. Je schärfer man nämlich die Lucy anbrät, desto sicherer bleibt der Käse im inneren. Insgesamt muss man so eine Juicy nicht totbraten, denn sonst fängt der Käse im Inneren an zu kochen. Und das

wollen wir nicht. Vielmehr soll er nur schön schmelzen und einem beim ersten Biss in den Burger entgegenlaufen. Wenn man sich dabei nicht den gesamten Mund verbrennt, hat man ein unfassbar gutes Burgererlebnis, bei dem es relativ egal ist, ob es nun jucy oder juicy ist.

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