Bourbonburger

Zugegeben, London war eine Inspiration. Allerdings hatten wir schon länger eine bestimmte Sache im Kopf, und zwar eine Art Wild-West-Burger. Vom Prinzip her sollte er sehr ursprünglich sein, aber würzig, aromatisch, scharf. Möglichst ohne Salat und Tomaten, dafür mit Zwiebeln, Käse und Gewürzgurken. Inzwischen habe ich wohl auch schon über hundert Burgerrezepte gesichtet, aber eine Variante, die auf das, was ich hier erreichen wollte, zutraf, war irgendwie nicht dabei. Also mussten wir uns selbst ein paar Gedanken machen und zu guter Letzt endeten diese Überlegungen mit der Geburt des von nun an legendären! Bourbon Burgers mit Chilirelish (ohne Copyright, leider).

Im Prinzip muss man nicht allzu tief in die Zutatenkiste greifen. Für 4 Burger benötigt man:
– 4 Burgerbuns, ich hatte diesmal aus UK importierte Softbuns (OMG!)
– 600g Rinderhack
– 4-8 Scheiben mittelalten Gouda oder einen anderen kräftigen Käse
– Sandwichgurken
– 2 rote Zwiebeln
– 2 weiße Zwiebeln
– 2 Pepperoni
– 1 Bd. Frühlingszwiebeln
– 1-2 Knoblauchzehen
– Tomatenmark, ca. eine halbe Tube
– Bourbon (ich nahm Jim Beam), 4-5 Esslöffel
– Balsamico Bianco, 4-5 Esslöffel
– 2-3 TL brauner Zucker
– Paprikapulver, Chilipulver, Cayennepfeffer
– Butter

Zunächst muss man relativ unspektakuläre Grundarbeit leisten. Pepperoni in dünne Ringe schneiden. Rote Zwiebeln fein Hacken. Lauchzwiebeln „schälen“ und in dünne Ringe schneiden. Knoblauch schälen und hacken.

Damit hat man dann die Basis für das Relish geschaffen. Fortfahren sollte man mit dem Erhitzen von Butter (Menge nach Gefühl, in etwa 1-2 großzügige Esslöffel) in einem Topf, bis diese schaumig wird. Dann die Zwiebeln (die roten!!) und den Knoblauch in die Butter geben und glasig dünsten. Anschließend die Chilis und das Tomatenmark dazugeben, unterrühren und kurz mit anrösten. Danach wird es spannend…

Was nun folgt, kann wohl als Secret Ingredient durchgehen. So secret, dass selbst ich bis zu diesem Moment nicht wusste, dass es sie geben wird. Jedenfalls stand ich da mit meiner Mischung und überlegte, womit ich sie ablöschen könnte. Klassisch kennt man ja Rotwein oder Weißwein bzw. auch Essig, den ich ja sowieso schon bereitstehen hatte. LANGWEILIG. Bourbon muss da rein! Immerhin sollte es ja ein Western Burger werden… Also ab an den Whiskey-Schrank und tunlichst nicht die teuren Flaschen erwischen. Am Ende wurde es dann Jim Beam, ein ooooordentlicher Schuss. Das ganze kocht man erst auf und dann ein. Danach dann doch noch einen Schuss Weissweinessig, einfach um etwas Säure zu bekommen. Auch das kurz einkochen und dann die recht sämige Soße mit Paprika-, Chili-, und Cayenne-Pfeffer-Pulver sowie natürlich Pfeffer und Salz abschmecken.

Im Prinzip muss man dabei überlegen, welche Konsistenz man möchte. Wenn man es eher wie Ketchup will, sollte man es weniger stark einkochen lasse oder man gießt es am Ende nochmal mit ein wenig Wasser auf. Ich habe es „streichfest“ haben wollen und es dann so gelassen, wie es nach dem Einkochen war. Ganz am Ende des Prozesses gibt man die Frühlingszwiebeln dazu, so dass sie nicht mehr wirklich mitkochen oder maximal nur kurz mitkochen. Danach das Ganze in den Kühlschrank, damit es ein wenig ziehen kann. Es sollte kalt auf den Burger bzw. Zimmertemperatur haben.

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Zu den Buns gibt es in diesem Fall wenig zu sagen, da wir sie diesmal nicht selbst gemacht haben. Allerdings habe ich festgestellt dass man, wenn man mal an gute Buns kommt, diese durchaus in großen Mengen portioniert einfrieren und nach Bedarf auftauen kann. Schmeckt alles immernoch um Längen besser als Buns, die man „frisch“ bei Discountern mit 4 Buchstaben kaufen kann.

Für die Patties und deren Zubereitung hatte ich mir diesmal etwas „anderes“ überlegt. Wie üblich habe ich pro Pattie circa 150 Gramm Rinderhack gepresst und die Fleischlinge dann beidseitig sehr! stark gesalzen und gepfeffert. Vom Gefühl her wollte ich sie außen etwas übersalzen und schauen, ob dies die „Krustenbildung“ an der Oberfläche fördert. Aus dem gleichen Grund habe ich dann auch eine Pfanne so heiß werden lassen, dass meine Freundin kurzzeitig dachte, alles würde explodieren. Tat es aber nicht.

Parallel dazu sollte man die weißen Zwiebeln in Ringe schneiden, damit diese einsatzbereit sind. Dazu gehört, dass man in einer zweiten Pfanne wiederum etwas Butter zergehen lässt. Darin die Zwiebeln anrösten und mit 1-2 TL braunem Zucker karamellisieren. Funktioniert auch mit Honig, da aber vorsichtig dosieren, sonst wird es zu süß.


In die SEHR heiße Burger-Pfanne, die man vor dem Erhitzen nur ein wenig mit Bratfett (!) eingerieben hat. Hier sollte man tunlichst keine beschichtete nehmen, sondern im Idealfall wohl eine Gusseisenpfanne.

Die Patties hineinlegen und ganzganzganzganz scharf anbraten. Circa 1-2 Minuten, in jedem Fall solange, bis sie an der Unterseite FAST ange-/verbrannt sind. Dann wenden und genau dieses Spiel auch auf der anderen Seite durchziehen.

Fast am Ziel – wenn man es käsig möchte, nimmt man 2 Scheiben Käse pro Pattie, ansonsten nur eine, die muss aber schon sein, legt diese auf das Fleisch in der Pfanne, macht dann DEN DECKEL AUF DIE PFANNE und NIMMT SIE VON DER HEISSEN PLATTE. Das ganze soll den Effekt des Steamens geben. Im Dampf zerläuft zum einen der Käse anständig, zum anderen gart das Pattie „im Inneren“ weiter. Mag man es medium die Wartezeit auf 3-4 Minuten beschränken, ansonsten würde ich den Deckel circa 5-6 Minuten drauflassen.


Je länger man den Deckel drauflässt, desto mehr verläuft natürlich der Käse (siehe letztes Bild). Wir werden es beim nächsten Versuch maximal 3-4 Minuten steamen lassen… Zum einen waren die Patties nach 5 Minuten komplett durch, zum anderen verwenden wir sowieso kein industriell produziertes Fleisch mehr, sodass dass gute Landmetzgerhack von mir aus gerne noch medium sein kann, wenn es aus der Pfanne kommt.

Fertig! Also fast. Das Relish auf die Unter- und Oberseite der Buns streichen, mit Gurken belegen. Darauf die Patties betten und auf diese die karamellisierten Zwiebeln geben. Was nun noch kommt, ist Geschmackssache. Da man ja sowieso einen sehr herzhaften Burger hat, passt ein bisschen Senf eigentlich ganz gut und vielleicht auch ein bisschen Mayo zum Abrunden (muss aber nicht sein). That’s it. Welcome to life, Bourbonburger, my dearest!

Ich war jedenfalls ziemlich begeistert. Zum einen vom Relish, welches Ketchup völlig überflüssig macht und sehr einfach zuzubereiten ist. Beim nächsten Mal werde ich es noch schärfer machen, sprich mehr Pepperoni nehmen oder zu schärferen Sorten greifen. Zum anderen hat mich die Zubereitungsart (scharf anbraten, steamen) der Burger überzeugt und macht, um ehrlich zu sein, auch einen Heidenspaß. Bisher habe ich keine bessere Burgerbratmethoden außerhalb eines Grills gefunden, die in der heimischen Küche praktikabel wäre.

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