Warum in die Ferne schweifen?

Gute Frage. Stellen wir uns aber oft und leider ist die Antwort auch zu oft relativ klar: Burger, Football, American way of life und so weiter. Aber: nein, muss ja eigentlich gar nicht sein. Manchmal zumindest. Zum Beispiel dann, wenn in Wiesbaden an einem Wochenende sowohl Highschool-Football als auch Stadtfest mit amerikanischem Burgerstand zusammen kommen. Importierter way of life sozusagen!

Wenn man in Deutschland einen Burgerladen betritt oder ein Footballspiel besucht, dann ist das im Prinzip alles etwas gezwungen. Menschen meinen dann oft, besonders amerikanisch wirken zu müssen und betont lässig zu sein. Hm, klappt seltenst. An den falschen Stellen jubeln, Fußballgesänge und dazu Essen, dass zwar aussieht wie Burger, Dogs und Candy, aber im Endeffekt nicht wirklich authentisch, nicht original ist. Wenn „die Amis“ sowas veranstalten, dann ist sowas immer noch einen Tick anders, ehrlicher und sehr viel zufriedenstellender.

Zum Glück (!) haben wir in Wiesbaden einen großen Army-Stützpunkt, der nicht nur perfekten AFN-Empfang beschert, sondern inzwischen für uns auch kulturelle Alternativen bietet. Zum Beispiel: Friday Night Lights Football (bei Interesse: es gibt einen gleichnamigen, sehr guten Film*)! Was ist das? High School Football, Freitagabend, im Flutlicht. Äh na und? Oh, naja, in den USA hat das eine gewaltige Bedeutung, ist wahrscheinlich populärer und emotionaler als jede Profiliga und fester Bestandteil der amerikanischen Kultur! Es ist ein besonderer Zusammenhalt, wenn die Lichter angehen und das Varsity-Team Rivalen empfängt. Ein ganz spezieller „community spirit“ und (ungelogen) ganze Städte (wenn auch eher Kleinstädte) sind anwesend, wenn 16 jährige Jungs Football spielen. Klingt verrückt, ist es vielleicht auch, aber es macht riesigen Spaß. Highschool-Spieler sind in ihren Schulen absolute Stars und die richtig guten sind regionale Bekanntheiten, mit denen man sich voller Stolz schmückt.

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Das gute daran: Der Spirit funktioniert auch bei uns in Wiesbaden. Denn Wiesbaden ist Warriors-Town, zumindest momentan, Freitagabends, und zwar mit allem was dazugehört. Flutlicht, Marching Band, Homecoming, Cheerleader, Junior Varsity und Varsity Team und, Trommelwirbel, „Concession Stand“. Hier finde ich findet man alles, was das Herz begehrt: Burger, Hot Dogs, Beef Brisket Sandwich, Cotton Candy, Popcorn, Gatorade, Soda, Chips, Peanutbutter Cups.

Die Burger sind für uns natürlich besonders interessant. Und, oh Wunder, als ob wir es nicht oft genug predigen: Einfachheit siegt. Ein schönes Soft Bun, ein Pattie, Käse, Ketchup, fertig, reicht, schmeckt. Nichts besonderes, sicherlich nicht der weltbeste Burger, aber schlicht, schnörkellos, direkt vom Grill, ohne Fähnchen und Hipster-Schnickschnack, dafür mit derben Sprüchen echter Barbecue Boys. Man muss das nicht mögen, man kann all das für überzogen und pathetisch halte. Aber man kann sich auch darauf einlassen. All das fühlt sich dann echt an und man wird mitgerissen von dem ganz besonderen Flair, welchen diese Abende haben.

Und wenn das Spiel vorbei ist, der Grill aus, die Spieler vom Platz gehen, dann ist man doch mehr als nur ein klein wenig wehmütig, dass man nie selbst eine Highschool in den USA besucht hat.

Aber ein kleiner Trost: einen Tag später Stadtfest, wie schon 2011, und auch in 2012 mit amerikanischem Burgerstand, organisiert von der Army in Wiesbaden. Auch hier: Burger und Dogs, vom Grill, genauso schnörkellos, bezahlbar, und siehe da: endlose Schlange. Diesmal sogar noch mit Salat, Tomate und Zwiebel, dazu Ketchup, Senf oder Relish. Zum Nachtisch noch einmal Candy und eine Diet Coke (aus Prinzip), Grillluft einatmen und auf den Heimweg gemacht. Ein Wochenende fast wie Urlaub, ohne 10-Stunden-Flug, ohne Highway Hotel, aber maximal authentisch.

GO WARRIORS!

httpv://www.youtube.com/watch?v=vI67BQhm4dE

* Und hier noch der Trailer zu Friday Night Lights:

httpv://www.youtube.com/watch?v=Qzyp4qOW0F0