Chicago Meatpackers in der Bankenstadt

2011 ging, 2012 kam, und zwischendrin  waren wir trotzdem noch aktiv. Nachdem wir Süddeutschland, Westdeutschland und sogar die USA in den Fokus genommen hatten, gingen wir zum Jahreswechsel noch einmal zurück in die Stadt, die meiner Schätzung nach wohl die meisten Burgerläden in Deutschland hat. Frankfurt also. Dieses Mal traf es eine Braterei, die schon länger in Mainhattan ansässig ist (seit 1987):

Chicago Meatpackers
Untermainanlage 8
60329 Frankfurt am Main

Der Name verspricht eigentlich einiges. Die Chicagoer Meatpacking-Industrie, also die Schlachthäuser in Chicago, haben Anfang des 20. Jahrhunderts den Weg für die industrielle, moderne Fleischverarbeitung geebnet. Wenn mein Amerikanistik-Studium für eine Sache gut war, dann wohl für das Wissen, dass „Fleisch“ sehr lange Zeit in enger Verbindung mit Chicago stand. Nun also all das in Frankfurt. Und eigentlich auch recht gut, so hatte ich zumindest früher schon gehört. Und war trotzdem nie da. Höchste Zeit!

Eigentlich geht es bei uns ja nur um den Burger. Nicht um die Pommes, das Bier, ungepflegte Menschen am Nebentisch und den WC-Stein. Aber an dieser Stelle ein paar kurze Worte zu auffälligen Dingen:

Das Lokal ist riesig, mehrere Gasträume, alle relativ gut gefüllt und von der Kapazität her wohl auf die Lunchpause in den Bürotürmen ausgelegt. Trotzdem fand ich das Interieur „authentisch“, falls man es authentisch nennen kann, denn solche Sportsbars fand ich persönlich in den USA nur sehr selten. Allerdings war es nicht zu überladen, eher gemütlich. Jedenfalls in dem Nebenraum, in den wir verfrachtet wurden.

Dies führt direkt zu Punkt 2, dem Service. Nüchtern formuliert: Wir wurden eher genervt empfangen, weil wir nicht reserviert hatten, bekamen einen zeitlich befristeten Tisch (welch Gnade), Getränke benötigten circa 30 Minuten, Essen mehr als 60 Minuten. Auf unserem auf 1 Stunde 30 Minuten begrenzten Tisch standen also erst nach 1 Stunde 10 Minuten die Burger. 3 von 3 Extrawünschen wurden vergessen. Es darf sich nun jeder seinen eigenen Reim bilden…


Die Karte selbst war wenig überraschend, da man die Menüs deutscher US-Sportsbars eigentlich beliebig austauschen kann. Fingerfood, Salate, Steaks, Sandwiches, Burger, Cheesecakes. Die Burger auch wenig überraschend, vielmehr eigentlich Standardkreationen. Kreativer Bonus allerdings der Surf’n’Turf-Burger mit Shrimps und der Italian Deluxe mit Rucola und Parmesan. Also wenn man das mag. Wir hielten uns an klassische Dinge, zwecks Vergleichbarkeit: Bacon & Cheese, mit „100% echtem Rindfleisch“. Zweifach Fleisch oder gar dreifach Fleisch ließen wir lieber weg, erstmal schauen was so kommt. Und ja, es kam was. Wie gesagt: Ohne Extrawünsche, denn Jalapenos fehlten zunächst, dafür war der tomatenlos bestellte Burger doch recht tomatös. So sei es. Nichts, was man nicht übersehen kann, so es denn schmeckt.


Die Optik:
Pub-Burger, würde der Experte sagen. Sprich: Große „Fläche“ des Brötchens und des Fleischs, rustikal „aufgeklappt“ serviert. Besonders ansprechend fand ich es nicht. Der Salat sah unfrisch nicht mehr knackig aus, der Käse war nicht verlaufen, die Zwiebeln nicht getrennt sondern „im Block“ in die Mitte geschmissen. Da habe ich schon wesentlich besseres gesehen.
Wertung: Einfachfleisch

Das Brötchen:
Pub-Brötchen. OK, das Pub-Spiel könnte ich jetzt mit jeder Kategorie weiterspielen, belasse es aber dabei. Was ich sagen möchte: Solides, großes, weiches, leicht angetoastetes Weizenbun. Beliebig austauschbar, schon hundertfach gesehen und geschmeckt: Industrieware, sicherlich nicht selbst gemacht. Leicht krisselig im Mund, brüchige Struktur. Keine Katastrophe, aber auch keine Offenbarung.
Wertung: Einfachfleisch

Die Beilagen:
Die Optik der Beilagen habe ich bereits beschrieben. Auch der Geschmack änderte den Eindruck nicht. Tomate leicht wässrig und geschmacklos (ok, zugegeben, es ist nicht gerade Tomatenzeit), der Salat ebenfalls geschmacksneutral, die Zwiebeln mir persönlich zu scharf und ZU zwieblig auf dem Burger. Die Gurke war ganz ok, aber, wie soll ich sagen… es war Gurke. Nichts völlig negatives dabei, aber auch garantiert nichts, was Euphorie auslösen konnte. Trotzdem: Es war drauf, was drauf gehört, nicht zu viel, nicht zu wenig.
Wertung: Einskommafünffachfleisch

Der Käse:
Auch hierzu sagte ich bereits etwas. Genau so, wie er optisch nicht verlaufen war, hatte er auch geschmacklich nichts zum Gelingen des Burgers beizutragen. Nicht kräftig, nicht käsig, nichts besonderes. Zur Verdeutlichung: Der Albtraum aus meiner Kindheit, Kraft-Scheiblettenkäse auf überbackenem Toast, der zwischen den Zähnen kleben bleibt, fand sich hier auf meinem Burger wieder.
Wertung: Einfachfleisch

Die Soßen:
Ketchup stand auf dem Tisch – das war gut. Im Zweifelsfall ist es mir lieber, wenn ich meine Soße selbst dosieren kann, als wenn das jemand macht, der denkt, er wisse, wieviel Soße man einem Burger auftragen muss. Unter dem Pattie war zudem eine mayo-artige Soße relativ unaufdringlich platziert, so dass sie nicht besonders stören konnte. Im Gegenteil, ich fand sie ganz ok und in Kombination mit dem Ketchup durchaus passend.
Wertung: Zweifachfleisch

Das Fleisch:
Von der Konsistenz, der Form und der Optik her eindeutig ein Tiefkühl-Pattie. Relativ dünn, wenn man es durchschnitt bzw. rein bis sehr sehr kompakt in der Form und trocken im Mund. Will heißen: Nein, kein saftiges, reichliches Fleischvergnügen, wie man es aus den guten Pubs in New York und anderswo kennt. Zudem auch noch mehr oder weniger geschmacksneutral, so dass wir Salz und Pfeffer auf dem Tisch dankend annahmen.
Wertung: Einfachfleisch

Die Gesamtwertung:
7,5 von 18
, entspricht 1,26 von 3-fachfleisch
Ausbaufähig. Von Anfang an hat der Eindruck nicht gestimmt und der Burger konnte es dann auch nicht rausreissen. 08/15-Barfood, keine Alleinstellungsmerkmale, nichts besonderes, was man immer wieder essen möchte. Ich will nicht verbittert aufgrund des Services wirken – im Gegenteil, ich denke, dass man hier, wenn man reserviert, ein paar amerikanische Biere trinkt und ein Footballspiel schaut, einen netten Abend haben kann. Aber man sollte nicht wegen der Burger kommen, denn von Perfektion ist dieser hier dann doch ein Stück entfernt. Die Suche geht weiter.