Meat Us! Meat me?

Irgendwo schrieb ich einmal, dass Frankfurt Deutschlands Burgerhauptstadt ist. Quantitativ zumindest. Was allerdings daran liegen könnte, dass ich mich wenig im Umkreis Hamburg/Berlin aufhalte, und die anderen großen Metropolen etwas vernachlässige noch vor mir habe. Jedenfalls sorgten wir dafür, dass wir die letzten weißen Flecken auf unserer Frankfurt-Karte ein wenig reduzieren konnten. Nach einigen Empfehlungen und einem vielversprechenden Internetauftritt wollten wir nun endlich „gefleischt“ werden:

Meat Us
Carl-Theodor-Reiffenstein-Platz 6
60313 Frankfurt am Main
http://www.meat-us.de

Versprochen wird folgendes:

Mitten im Herzen von Frankfurt trifft Gourmetgeschmack auf Burger: Im MEAT US erwartet die Gäste hochwertige Burger, eine erstklassige Bar sowie exklusives Interieur mit internationalem Flair. Das Besondere im MEAT US sind die Variationen von Burgern und die Möglichkeit, dass jeder Gast seinen Burger nach Wunsch zusammenstellen kann. […] Das Burgerfleisch und das Brot werden nach hauseigenen Rezepten hergestellt und stammen ausschließlich von regionalen Anbietern.

Gourmetgeschmack meets Burger. Das hab ich jetzt schon öfters gehört –  geklappt hat es selten. Und dass man den Burger nach Wunsch zusammenstellen kann, ist wirklich keine Besonderheit mehr, das konnte ich bisher fast überall. Nett klingt es trotzdem. Und vielleicht bekommt man ja hier einen Burger, der nicht ein Döner in Hackfleischform ist. Also mal gut gelaunt schauen, wie nahe Theorie und Praxis im Endeffekt beieinander liegen.

Das Meat Us liegt direkt neben dem Parkhaus Konstabler Wache (1 Stunde = 1,50) und ist deshalb trotz der Citylage relativ gut mit dem Auto zu erreichen. Man kann drinnen und draußen sitzen, auch wenn es etwas kühler ist: moderne Heizstrahlertechnik macht es möglich… War für uns auch dringend notwendig, denn im Innenraum war es ob der Musik und der schnatternden Frankfurter Hipsterszene nicht auszuhalten. Zumal man uns auch trotz circa 60% freier Tische keinen unreservierten anbieten konnte. Also gut, unter den Heizpilz, die Gruppe Vodka-trinkender Russen ignorieren und Karte studieren.

Anscheinend trägt jedes Gericht, auch der Nachtisch, das Wort „Meat“ in sich, zum Beispiel Meat Gordon Gekko oder Meat a fish called Wanda. Aha, denken wir uns, ein nettes Konzept. Und Meat ist nie verkehrt. Die Burger jedenfalls gibt es entweder einzeln (Ladys Burger mit 220g oder Gentlemens Burger mit 300g Fleisch) oder im Menü mit Pommes. Darunter ein klassischer Burger mit Cheddar (Meat Us at Home) und mit den üblichen Toppings, ein Mexico-Burger mit Chili oder ein etwas exotischer Meat Us in Hawaii „mit einem tropischen Mix aus frischer Ananas und einer leicht pikanten asiatischen Marinade“. Exoten sind ja nicht so mein Fall, deshalb hielt ich mich an den Meat Us at Home mit zusätzlich Bacon. Außerdem hatten wir noch ein Clubsandwich (der aufmerksame Dreifachfleischleser wird es ahnen: ohne Tomaten! bestellt).

Dass ich das Publikum eher mittelangenehm fand, ist nicht der Fehler des Ladens. Schlechter Service allerdings schon. Und auch wenn der nichts mit dem Burger zu tun hat, kann er doch ein schlechtes Licht auf die Bewertung werfen. Und in schlechtem Licht hat auch ein guter Burger Glanzprobleme. Jedenfalls kam das Clubsandwich natürlich mit Tomaten. Die sind auch sehr schwer zu entfernen, wenn das Sandwich zwei Stockwerke hat und die Tomaten mit Zahnstochern reingespiest sind. Die meisten Restaurants nehmen den Problemteller dann anstandslos und beschämt wieder mit und bringen tomatenfreies Futter. Im Meat Us sah man das allerdings nicht so eng und verabschiedete sich mit den Worten „Oh, trotzdem guten Appetit“ in die Küche. Wow. Soviel erst einmal zum Vorgeplänkel. Nun musste der Burger einiges rausreissen…

Die Optik:
Optisch sah es ganz ok aus. Aufgeklappt angerichtet, offensichtlich im Pub/Bar-Stil. Das Brötchen sah getoasted aus, die Toppings relativ frisch. Gestört hat mich die Optik des Bacons, der schon relativ labberig und fettig aussah. Immerhin war der Käse auf dem Pattie geschmolzen und nicht erst nach dem Grillen draufgelegt. Alles in allem Durchschnitt, keine Überraschung dabei, aber auch keine Enttäuschung oder gar ein Appetitkiller.
Wertung: Einskommafünffachfleisch

Das Brötchen:
Sah wie gesagt ok aus. Ob es hausgemacht war, kann ich in diesem Fall schwer beurteilen. Kann sein, muss aber nicht. Jedenfalls war es in der Tat angetoastet und geschmacklich auch in Ordnung. Es ist nicht durchgeweicht beim Essen, hat zusammengehalten und war geschmacklick und mengenmäßig nicht zu dominant. Job erfüllt. Allerdings war es ein wenig, hm, wie soll ich es beschreiben… zäh. Man konnte es nicht problemlos abbeissen.
Wertung: Einskommafünffachfleisch.

Die Toppings:
Achje, das alte Problem. Die Frische war ok. Die Tomate und der Salat waren zwar relativ geschmacksfrei, das will ich bei der Jahreszeit gar nicht mal wirklich kritisieren. Die Zwiebeln (rot) waren auch ok. Aber die Menge mal wieder. Auf dem Foto sieht man das ganz schön… Ich will kein Gemüsesandwich bzw. den besagten Burgerdöner, sondern einen richtigen Burger. Und da steht das Fleisch im Vordergrund. Im Meat Us hatte ich un-fass-bar viel Salat auf dem Burger, darunter auch einige nicht so schöne, angebräunte Blätter. Außerdem fand ich den Bacon, wie optisch vermutet, viel zu labrig. Der muss doch „cross“ sein, sonst passt das einfach nicht!
Wertung: Einfachfleisch.

Die Soßen:
Irgendwann schrieb ich auch schon einmal, dass ich auf einem guten Burger im Prinzip nur Ketchup brauche. Das hat sich das Meat Us zu Herzen genommen und gar keine Soße auf dem Burger geliefert. Hm. Auf dem Tisch hatte ich dann zwar Ketchup, BBQ-Soße und Pommes-Soße (Genau das richtige für einen Burger! Nicht.) zur Verfügung, aber das war mir zu unkreativ. Für fast 12 Euro kann man irgendwie mehr erwarten, selbst gemachtes Ketchup oder eine Aioli/Mayo. Vor allem, wenn man auf der Homepage „Gourmetburger“ bewirbt…
Wertung: Nullkommafünffachfleisch

Der Käse:
Schön verlaufen, wohl auf dem Pattie mitgegrillt. Zwei Scheiben, also auch nicht zu wenig, nicht zu viel. Im Geschmack sehr unaufdringlich, fast zu unaufdringlich, aber er hat seine Aufgabe als Begleiter erfüllt, ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Zwar auch keine geschmackliche Überraschung und defintiv auch ohne „Gourmet“-Finesse (allerdings gibt es noch einen anderen Burger mit verschiedenen Käsesorten), aber durchaus solide. Wertung: Zweifachfleisch.

Das Fleisch:
Bestellt hatte ich es durchgegrillt, bekommen habe ich eher medium. Mich stört das im Prinzip nicht, aber generell bekomme ich im Endeffekt lieber das, was ich bestellt habe. Ansonsten fand ich das Fleisch aber ganz ok. Wohl in der Tat „frische“, „selbstgemachte“ Ware. Nicht zu dominant gewürzt, sondern mit vernünftigem Fleischgeschmack. Trotzdem fand ich das Pattie etwas trocken und es hätte ein wenig „gegrillter“ schmecken können, außerdem ist es unter dem Salatberg etwas verloren gewesen. Insgesamt fand ich Zubereitung, Qualität und Geschmack ok, minus fehlende Saftigkeit. Die Größe im Verhältnis zum Burger stimmte allerdings auch hier nicht unbedingt.
Wertung: Zweifachfleisch.

Die Gesamtwertung:
8,5 von 18, entspricht 1,42 von 3-fachfleisch
Die Gesamtwertung spiegelt den meiner Meinung nach durchschnittlichen Burger. Einiges war ok, zum Beispiel war ich mit dem Fleisch im Prinzip zufrieden, anderes war wieder einmal nicht so schön. Als man uns gefragt hat, wie es geschmeckt hat, wiesen wir erneut daraufhin, dass wir das Sandwich ja eigentlich ohne Tomate bestellt hatten. Die Reaktion? Hysterisches Gekicher des Kellners, gefolgt von seinem kommentarlosen Abgang. Selbst wenn der Burger perfekt gewesen wäre, würden wir nach diesem seltsamen „Service“ keinen zweiten Besuch in Erwägung ziehen. Meat Us? Not me. Wieder einmal geht die Suche weiter…