Superheldenfutter

Langsam sollte ich darüber nachdenken, mir den Zusatz “Experte Frankfurt” auf die Visitenkarte drucken zu lassen. Jedenfalls war ich wieder einmal in der Bankenstadt unterwegs um ein weiteres der dort zahlreich vorhandenen (Und es werden kontinuierlich mehr. Eventuell haben Banker im Arbeitsvertrag stehen, dass man mehrmals wöchentlich Burger essen muss. Vielleicht werde ich Banker.) Burgerrestaurants zu testen:

Heroes Premium Burgers
Leibnizstr. 13
60316 Frankfurt am Main
http://heroes-burgers.de

Irgendwann hatte ich die Adresse mal ergooglet und abgesehen davon gar nichts vom Heroes gehört. Die Bratstube liegt auch nicht unbedingt zentral (im Sinne von Fußgängerzone, mit dem Auto ist er mittelgut zu erreichen, letzteres aber nur mit Glück zu parken), sondern eher in einem Wohnviertel zwischen schönen Altbauten, relativ unscheinbar und für einen “Zufallsfund” bzw. Laufkundschaft eher nicht zu erreichen.

Design-optisch hatte schon die Homepage und der Name ein Superhelden-Thema versprochen. Die Wände waren dann auch mit Comic-Kunst verziert, am Fenster hing ein Superman-Elch und auf der Karte kommt man sich auch vor wie in Gotham City. Was (für meinen Geschmack) nicht passt, sind die beigen Lederstühle, die eher an Eiscafé erinnern als an Superheldenburgerbude.

Wie auch immer, das Essen muss ja schmecken. Es gibt relativ viele außergewöhnliche Kreationen (auch das mag ich eigentlich nicht) und ich versuchte mich mit dem Cheese Butch an etwas, das für mich einem Cheeseburger am Nächsten kam. Allerdings mit viel Käse. Vier verschiedenenen Sorten. Viel. Käse.

Die Optik:
Schön. Kein Gematsche, nichts zerquetscht. Von der Größe her angemessen, aber nicht zu groß und vor allem nicht zu klein. Kein weiterer Mist auf dem Teller, der Superheld somit im Vordergrund. Der Käse auch optisch schön geschmolzen, das Bun dem Anschein nach keine Massenware. Was mich dann doch (immer) stört, sind Versuche, den Burger optisch von “einem Burger” abzuheben, ihn auf Gourmetteller zu befördern und mit Dingen wie Petersilie zu bestreuen. Brauch ich nicht, brauch der Burger nicht. Aber gut.
Wertung: Zweifachfleisch.

Das Brötchen:
Zunächst war ich ohne wenn und aber begeistert. Es war mehr Brötchen als Hamburgerbun, also griffiger, mit festerer Struktur und etwas Biss. Wenn man nicht gerade einen Cheese Butch hat (Begründung folgt), hält es den Burger auch gut zusammen. Wenn man aber DOCH einen Cheese Butch hat, kann es passieren, dass das Brötchen irgendwann verliert und zu weich wird. Außerdem war es etwas zu viel Brötchen: es wurde am Ende immer mehr, im Mund, in der Hand, auf dem Teller.
Wertung: Zweifachfleisch.

Die Toppings:
Die waren lecker und frisch. Tomate, Salat, Rote Zwiebeln, Essiggurken. Einziger “Kritikpunkt”: vielleicht zu üppig belegt, so dass alles andere etwas unterging. Aber das ist Geschmacksache und zur Not kann man ja auch Dinge entfernen. Allerdings fehlte mir persönlich eine überraschende Sache, sautierte Zwiebeln, irgendwas, was man sonst nicht bekommt und was den Burger klar aufwertet. Dafür war die Tomate zu dick geschnitten. Handarbeit. Passiert.
Wertung: Zweifachfleisch.

Die Soßen:
Für mich der einzige wirkliche Minuspunkt. Tomatenpüree und Aioli waren versprochen, waren auch drauf, aber vor allem die Tomatensache hatte mir persönlich zu wenig Geschmack. Irgendwie hatte ich mir das intensiver vorgestellt (so wie die Harissa-Paste auf einem anderen Burger dort). Andererseits wurde so der Burger geschmacklich nicht dominiert sondern nur begleitet (ich klinge wie Feuilleton, oder?).
Wertung: Einfachfleisch.

Der Käse:
Prima. Gut, den Mozzarella brauche ich nicht unbedingt (habe ihn auch entfernt) und wenn nach 10 Bissen Gouda auf einmal Blauschimmelkäse kommt, erschreckt man sich erstmal mächtig. Aber die Kombi von 4 verschiedenen Käsesorten, alle schön geschmolzen/angeschmolzen, war mal etwas neues und geschmacklich ziemlich gut. Besonders erfreulich: Richtiger Käse. Also RICHTIGER Käse, der auch so schmeckt, und nicht genauso wie die Folie aus der er ausgepackt wurde.
Wertung: Dreifachfleisch.

Das Fleisch:
Ausgehend davon, dass es meiner Meinung nach vier Komponenten gibt (Zubereitung, Qualität, Geschmack, Größe im Verhältnis zum Burger), kann ich für die ersten drei Punkte wenig kritisieren. Dem Anschein nach war das Pattie gegrillt oder zumindest gut gebraten und vorher ziemlich sicher nicht gefroren. Den Geschmack fand ich auch gut, nicht überwürzt, nicht künstlich, aber auch nicht, abgesehen evtl. von ein paar Salzkörner zu wenig, unterwürzt. Für mich hätte es aber etwas mehr medium sein können (er war sehr durch), da mir die “Saftigkeit” dann doch gefehlt hat. Suboptimal fand ich zudem die Größe im Verhältnis zum Burger, da die Frikadelle doch recht klein war. Während also Brötchen und Toppings immer mehr wurden, war das Fleisch schon fast weg. Am Ende hatte ich dann sozusagen ein käsiges Veggiesandwich in der Hand.
Wertung: Zweikommafünffachfleisch.

Die Gesamtwertung:
12 von 18, entspricht guten 2,01- von 3-fachfleisch.
Die Wertung sagt ja alles: ich hatte bei Heroes einen guten Burger vor mir, mit einigen (wenigen) Abzügen, die vor allem Details betreffen. Man muss für den Cheese Butch zwar am Ende 8,30 auf den Tisch legen, aber große Teile davon ist er auch wert. Solide Zutaten, gute Ideen mit dem Käse… kann man essen. Zudem habe ich noch einen Bissen vom Spicy Juan probiert, der auch lecker war (eventuell ein Tipp: wenn Cheese Butch, fragt nach, ob ihr ihn mit der Harissa haben könnt).

Auch hier war es allerdings (der begleitenden BurgerexpertIN) unmöglich, einen Burger ohne Tomate zu bekommen, denn aus der Küche kam er mit rotem Ungeheuer, dann ging er wieder rein. Und kam erneut raus, dieses Mal dann ohne Tomate. Das hätte man auch selbst erledigen können. Wenigstens wurde der Fehler witzig und mit Tomatenhasszustimmung und -mitgefühl überspielt.

Meiner Meinung nach hatte ich hier letztendlich den besten Burger in Frankfurt bisher. Die Suche geht trotzdem weiter…