Mein Burger des Jahres: 2013

Mit Erschrecken realisierte ich die relative Dreifachfleisch-Ereignislosigkeit im Jahr 2013. Zwar war einiges geplant, aber aus Zeitmangel und dem allgemeinen Trubel wurde dann aus Vielem nichts. Was nicht heißt, dass es keine Burger gab: ganz im Gegenteil. Wir haben viel probiert und experimentiert, allerdings meistens in den eigenen vier Wänden. Das mag daran liegen, dass wir „vor der Haustür“ schon einiges probiert haben und allein schon der Weg nach Frankfurt doch meistens zu umständlich ist. Jedoch ist es so, dass ich Besserung gelobe und hier zumindest von meinem Burger des Jahres, vielleicht Burger meines Lebens, berichten möchte. Inspiration dafür nahm ich aus einer meiner Pflichtlektüren, der Beef, wo in fortlaufender Reihe mehr oder weniger bekannte Personen die „Flasche ihres Lebens“ vorstellen, sei es Wein, Bier, Whisky oder ähnliches.

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Eigentlich hätte es viel einfacher sein können, als es letztendlich war. Das Burgerbraten am eigenen Herd habe ich inzwischen so perfektioniert, dass es meine persönliche Vorstellung eines guten Burgers jedesmal mit geringer Abweichung recht gut trifft. Zugegeben – bei Buns und Toppings variieren wir immer ein wenig, aber insgesamt ist das Ergebnis immer brauchbar und – Achtung, Eigenlob, verdammt gut. Somit habe ich dieses Jahr viele gute Burger genießen können. Für DEN Burger mussten wir allerdings einen etwas weiteren Weg zurücklegen, als die genau 5,9 km von der eigenen Tiefgarage bis zum Metzger meines Vertrauens.

Ich will es nicht unnötig spannend machen und es ist für den aufmerksamen Leser auch ohnehin kein Geheimnis mehr, dass London für mich, nein – für uns hier bei Dreifachfleisch, vielleicht DAS Burgermekka schlechthin ist. Nicht New York, nicht die USA, sondern London, London in England, das eher für Pubs, Queen und Regen bekannt ist. Ja. Also, es ging auch dieses Jahr wieder dorthin, nicht nur wegen Burgern, aber auch wegen Burgern, denn unter anderem haben dort inzwischen mit Five Guys und Shake Shack zwei der vielleicht besten amerikanischen „Ketten“ Filialen eröffnet und ebendiese wollten wir auf europäischem Boden auf den Prüfstand stellen. Allerdings ist dies eine andere Geschichte und obendrein eine mit relativ unspektakulärem Ausgang.

Nein, die Geschichte um den Burger des Jahres ist eine andere. Sie beginnt an einem grauen, wolkenverhangenen Tag im frühherbstlichen London: Gurkensandwich zum Frühstück, Themseufer, dies und das. Gegen Nachmittag kam es zunächst zu einer „very British tea-time“ und was soll ich sagen: die Füße schmerzten schon und eigentlich hätte es danach auch ins Bett gehen können. Wenn ich nicht dieses unfassbar große Kind im bockigen Kopf hätte und darauf bestand, relativ spät Abends mit 30 U-Bahnen, 12 Bussen und 10km zu Fuß (nur minimal übertrieben) zu Hamleys, einem alten, riesigen Spielwarenladen gehen zu müssen. Aber, man ahnt es, es war ZU spät Abends und vor der Nase sperrte man zu. Passend dazu fing der mittags noch graue Himmel aus zunächst leichtem Regen immer stärkeren Regen zu machen – wir waren bedient und eigentlich gab es in diesem Moment keine Aussicht auf Rettung.

Während wir mehr oder weniger mürrisch und uns dem kühlen Gemüt der Briten anpassend beschirmt und trotzdem mit triefenden Schuhen über die Oxford Street flanierten (so ’sophisticated‘ war es nicht), erinnerten wir uns daran, dass wir noch einen wichtigen Haken auf unserer London-Burgerliste setzen wollten, der sich auch noch zufällig in der Nähe befand. Als wir dank ebenfalls durchnässtem Stadtplan auf Anhieb in die richtige Seitenstraße, voller Restaurants, abbogen und sich scheinbar alle Menschen unter Schirme, Markisen oder einfach ins Trockene mit Pint in die Pubs verzogen hatten, fragte ich mich bereits, ob die genau 5,9km von der eigenen Tiefgarage zum Metzger des Vertrauens nicht unbeschwerlicher gewesen wären.

Der Gedanke wurde sozusagen vehement bekräftigt, als wir ankamen und auf eine Schlange aus gut und gerne 30 Menschen trafen, die sich vor der Tür aufgereiht hatte. Nun gut, nasser konnten wir nicht werden, müder auch kaum und satt wollte ich nur mit einem Burger werden. Alles halb so wild dachte ich – bis uns ein sich wohl relativ hip findender mittelhipper Londoner mit kräftigem Cockney-Akzent auf eine Warteliste setzte, deren „wait at least 30 minutes“ war. Puh. Sein Glück war, dass ich von Haus aus eher entspannt bin und der Frau inzwischen alles egal war. Mir eigentlich auch, kalt, nass, Hunger. Obendrein war ich mit zunehmender Wartezeit skeptisch, denn im inneren saßen Leute eng gedrängt und teilweise trank man Wein zum Burger und es gab Tische, an denen nur Frauen saßen.

Als wir nach 27 Minuten endlich auch ins Trockene konnten, stellte ich aber relativ schnell fest, dass man zu diesen Burgern meinetwegen alles trinken kann, was man will. Der Laden ist szenig, laute Musik, wesentlich hippere Gäste als nicht so hippe Wartelistenaufschreiber, Burgerzeichnungen auf Pappe an der Wand, diffuses Licht, mehr Clubgefühl als Fastfood und verdammt verdammt verdammt gute Burger. Zugegeben, das Rad wird nicht neu erfunden, aber in diesem Moment in diesem Laden in dieser Stadt bei diesem Wetter passte alles: Ari Gold Cheeseburger – beef patty, cheese, lettuce, tomato, pickled onions, ketchup, smokey P&B mayo, brioche, dazu zusätzlich unsagbar gute Chicken Wings, vielleicht ebenfalls die besten, die ich jemals aß. Danke, danke! Jegliche weitere Beschreibung würde dem Burger meines Jahres, vielleicht dem Burger meines Lebens nicht gerecht werden. Man sollte ihn aber unbedingt probieren: Patty and Bun, 54 James St, London W1U 1HE, UK. Allerdings muss man Zeit mitbringen, denn ich hab mir sagen lassen, dass die Menschen sich vor der Tür in einer Schlange anstellen. Auch im Regen. Das war es wert… ein gutes Jahr!

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