Rach&Ritchy – Das Grillhaus

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Man glaubt es kaum, aber, doch, wir haben uns mal wieder um „fremde“ Burger gekümmert. Und zwar nicht im Rhein-Main-Gebiet, sondern an der Waterkant in der Hansestadt Hamburg. Da Hamburg als „Szene“stadt, die zwar keine genauso große Burgerlandschaft wie Berlin oder Frankfurt hat, durchaus ein paar bekanntere Läden hat (u.a. auch das Bird, welches in Berlin groß geworden ist), fragte ich mich vorab, was es denn sein soll. Und wir entschieden uns entgegen den bisherigen Gewohnheiten für den Gegenkurs und wählten ein Up-Scale-Restaurant aus, um herauszufinden, ob im Endeffekt dann doch Geld glücklich machen kann:

Rach&Ritchy – Das Grillhaus
Holstenkamp 71
22525 Hamburg
Tel: 040 89726170
www.rach-ritchy.de

Rach 1 Rach&Ritchy ist ein Restaurant, das TV- und Sternekoch Christian Rach und seinem Kompagnon gehört. Genaugenommen hatte Rach hier sein erstes, ursprüngliches „Tafelhaus“, mit/in dem er sich Michelin-Ehren erkocht hat. Nach dem Umzug wurde das Tafelhaus von einem anderen Spitzenkoch übernommen, welcher es aber nach einem schweren Unfall wieder an Rach und Ritchy (den jetzigen Chefkoch) übergeben hat. Statt auf abgehobene Sterneküche wird nun zwar immer noch anspruchsvoll und im gehobenen Preissegment gekocht, der Fokus liegt aber klar auf Steaks/Fleisch. Als ich bei meiner Recherche auf der Speisekarte den „Rach & Ritchy Spezial Burger“ sah, war mir eigentlich sofort klar, dass ich den gerne einmal testen würde. Was ich mir davon versprach? Eine Antwort auf die Frage, ob ein generell guter Koch auch einen ausgezeichneten Burger bauen kann oder ob es eher in die Kategorie „too much“ und „zu abgehoben“ gehen würde.

Ich will nicht affig sein und es unnötig spannend machen: was ich bekam, war eine Demonstration, wie es in ALLEN Bereichen richtig gemacht wird. Es war eine Demonstration, wie man mit dem nötigen Know-How, dem nötigen Aufwand und den richtigen, hochwertigen Zutaten einen perfekten Burger kreiert, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Der „Rach & Ritchy Spezial Burger“ schwimmt nämlich nicht auf der hippen Welle der überambitionierten Burgerkunst mit, sondern besinnt sich auf die wesentlichen Dinge in mir vorher nicht bekannter Perfektion.

Rach 2 Rach 4

Die Optik:
Optisch absolut puristisch. Auf dem Teller lediglich der Burger und die (hausgemachten) French Fries. Die Zutaten (Speck, Zwiebel, Käse, Cole Slaw,
Tomate und Salat) sind dabei sauber präsentiert und der Käse schon optisch ein Highlight. Was mir auch gefallen hat: das Brötchen ist offensichtlich selbst gebacken und hat eine schöne glänzende Textur, wirkt dabei schon vor dem ersten Bissen lecker.
Wertung: dreifachfleisch

Das Brötchen:
Meiner Meinung nach das größte Manko deutscher Burger sind die schlicht und einfach schlechten Brötchen. Egal ob aus der Großbäckerei oder selbstgemacht, nur ganz selten bin ich annähernd begeistert. Hier war ich allerdings vollkommen überzeugt. Die Brötchen waren (natürlich) selbstgebacken und das sehr, sehr, sehr gekonnt. Ich will es einmal, naja, direkt beschreiben: wenn man reinbeisst, ist es außen knusprig geröstet, innen dafür „fluffig“ und locker, leicht süßlich. Insgesamt geschmacklich mit einem leichten Einschlag Richtung Pfannkuchen, was aber auch von den Röstaromen kommen könnte (mit Butter angeröstet). Als Gegenpol dazu der Sesam auf der Oberseite, geschmacklich immer eine Bereicherung. Dabei spielte sich das Brötchen nicht in den Vordergrund, sondern harmonierte absolut perfekt mit dem Rest des Burgers, hatte genau die richtige Größe und vervierfachte sich beim Kauen nicht.
Wertung: dreifachfleisch

Die Toppings:
Wie schon erwähnt wurde der Burger aus Speck, Zwiebel, Cole Slaw, Tomate und Salat gebaut. Auf Cole Slaw und Zwiebeln möchte ich gerne in der folgenden Kategorie eingehen, von daher hier nur die Anmerkung, dass Tomate und Salat frisch und genau richtig, also sparsam, dosiert waren. Der Speck hingegen war schön kross angebraten, dabei aber nicht verbrannt und „brüchig“ geschmort oder nurnoch fetttriefend. Hier konnte man nicht viel falsch machen (oh, doch, 10kg Salat auf einem 50g Patty, sowas bekommen manche hin), alles bestens.
Wertung: dreifachfleisch

Die Soßen:
Hier wird es interessant. Soßen im klassischen Stil (Ketchup, Mayo) hatte der Burger keine, dafür wurden Zwiebeln und Kraut in Form von Zwiebelchutney (OMG!) und Coleslaw so umfunktioniert, dass sie als Soße dienten. Das Zwiebelchutney war dabei auf Tomaten-Basis eingekocht, leicht süßlich und mit klarer BBQ-Note. Als Ketchup-„Ersatz“ funktionierte das exzellent, weil es eine würzige Note einfließen ließ. Der Coleslaw hingegen, wenn man so will der Mayo-„Ersatz“, sorgte für eine zusätzliche „knackig-frische“ Komponente, leicht süßlich und mit einem Spritzer Zitrone. Alles in allem passte das beides super, es war nicht aufdringlich und richtig, richtig lecker.
Wertung: dreifachfleisch

Der Käse:
Eine dicke Scheibe deftiger Käse (eventuell ein etwas älterer Gouda, ich bin nicht sicher), optisch schön mit dem Fleisch „verschmolzen“, geschmacklich bestätigte sich der gute Eindruck. Mit Käse kann man (abgesehen von der Sorte/Qualität) genau zwei Fehler machen: entweder er ist GAR NICHT geschmolzen und erst nach dem Braten des Fleischs aufgelegt, oder er ist ZU FRÜH aufgelegt und dadurch zu sehr verlaufen (dann tritt zu viel Fett/Geschmack aus dem Käse aus und man kann ihn eigentlich auch komplett weglassen). Hier wurde genau richtig die Mitte getroffen. Traumhaft.
Wertung: dreifachfleisch

Das Fleisch:
Wie immer kommt es extrem auf Fleischqualität, Zubereitung und Geschmack an. Qualitativ bekommt man im Rach& Ritchy standesgemäß Oberklasse serviert. Sprich: weder Tiefkühlhack, noch geschmacksfreie Einheitsware, was bei den gehobenen Preisen zu erwarten war. Abgesehen davon bekam ich auch noch nirgends ein Patty bzw., wie man in diesem Fall vielleicht treffender sagen sollte, eine Frikadelle, in dieser „Dicke“ auf einem Burger serviert. Meine sofortige Befürchtung: entweder innen rare oder durchgegart und trocken. Tja, weder noch. Es ist mir ein Rätsel, wie man einen solchen Klops durchgaren und dabei saftig bleiben lassen kann. (Challenge accepted!) Geschmacklich definitiv das Tüpfelchen auf dem i. Dezent aber merklich gewürzt, trotzdem saftiger, hochklassiger, purer Fleischgeschmack. Außerdem hat mir gefallen, dass das Fleisch nicht zu kompakt, nicht zu stark gepresst sondern locker und „weich“ blieb. In dieser Art und Weise habe ich das wirklich noch nicht erlebt…
Wertung: dreifachfleisch

Die Gesamtwertung:
18 von 18 Punkten, entspricht unerreichten 3 von 3-fachfleisch.
Vorweg: ja, ich habe fast 20 Euro für diesen Burger hingelegt und allein diese Anmerkung gibt diesem Test hier ein gewisses Alleinstellungsmerkmal gegenüber allem anderen, was ich bisher in Deutschland getestet habe. Sowas leistet man sich nicht jeden Tag und wenn man es sich leistet, erwartet man schon eine gewisse Exzellenz. Was ich nicht gedacht hätte? Dass ich so überrascht werde, in jeglicher Hinsicht, von allen Komponenten, und einen „klassischen“, aber dabei durchdachten und perfekten Burger erhalte. Toppings, Soßen und Präsentation waren dabei gut, ohne Fehler, aber absolut umgehauen hat mich das Fleisch und seine Zubereitung in allen Punkten sowie das in meinen Augen PERFEKTE Burgerbrötchen. Kurzum, das ist momentan für mich die Referenz in Deutschland und der Beweis, dass man mit gewissem Aufwand, Liebe zum Detail und dem Sinn fürs Wesentliche alles besser macht als mit der ein oder anderen „trendigen“ Weiterentwicklung.

P.S.: So ganz nebenbei kann man auch abgesehen vom Burger bei Rach&Ritchy ausgezeichnet essen… 🙂