Smoketribe BBQ

test

Jan (dff) – Eigentlich dachten wir, dass wir „vor der Haustür“ alle Burger probiert hätten. Gut, in Frankfurt und sogar Mainz haben wir noch die ein oder andere Verkostung vor uns, aber in Wiesbaden gibt es ohnehin nicht viel. Als Burgermekka wird das „Nizza des Nordens“ zwar nicht mehr taugen, aber es gibt dann vielleicht doch noch mehr, als wir dachten. Denn in jüngster Vergangenheit haben wir zwei Hinweise erhalten, denen wir nachgehen möchten. Einem folgten wir direkt am vergangenen Wochenende:

Smoketribe American BBQ
Nassaustr. 6
65719 Hofheim am Taunus – Wallau
http://www.smoketribebbq.com

Foto 15.02.14 19 16 07Der Name deutet es schon an, und ja, korrekt, hier geht es relativ amerikanisch zu. Um ehrlich zu sein verfolge ich den Werdegang des „Smoketribe“ schon eine ganze Weile. Zunächst war er im Vereinsheim eines Wiesbadener Tennisclubs zu Hause und zog dann um, faktisch sogar aus Wiesbaden heraus nach Hofheim-Wallau (was allerdings direkt angrenzt). Das sagen haben hier (weitestgehend) Amerikaner und dementsprechend ist die Karte auch aufgebaut: wer schon einmal in den USA BBQ gegessen hat, kann sich in etwa denken, wovon ich spreche. Die Fleischgerichte kommen fast ausnahmslos aus dem riesigen Smoker am Hintereingang: Ribs, Pulled Pork, Briskets etc. pp. sowie das 1×1 der amerikanischen BBQ-Beilagen, Vorspeisen und Desserts.

Allerdings probierten wir den Laden aus unterschiedlichen Gründen bisher nicht aus, vor allem deshalb, weil es bis vor kurzem auf der Speisekarte immer hieß, dass man zwar alles an BBQ serviere, aber keine Burger (ich erinnere mich sogar an einen kleinen Burger-Rant). Nun gut, neues Spiel, neues Glück, sagte man sich im Smoketribe wohl und nun schmückt ein netter Burger die Karte: der „Smoketribe BBQ Cheeseburger“ mit „100% Ground Beef, Lettuce, Tomato, Onion, Cheddar Smoked Cheese“, optional mit Bacon und „Crumbled Blue Cheese“ (auf letzteren verzichteten wir, Bacon musste natürlich drauf).

Foto 15.02.14 19 24 49

Foto 15.02.14 20 17 22Foto 15.02.14 20 17 58Foto 15.02.14 20 18 12
Die Optik:

Rein optisch eine solide Nummer. Abgesehen von den Fries und der optional gereichten BBQ-Soße nur der Teller auf dem Burger. Letzterer sauber verbaut, sämtliche Beilagen unter dem Fleisch (warum auch immer), was allerdings nicht störte. Kein Chi-Chi und Fokus auf das wesentliche, allerdings würde man sich fast wünschen, der Burger käme hier in einem Körbchen auf Wachspapier und nicht auf dem immer gleichlangweiligen, gleichweißem, gleichdeutschen Porzellan.
Wertung: zweifachfleisch

Das Brötchen:
Leider nicht selbstgebackenes, uninspiriertes Sesambun. Verschlimmert wurde dies noch dadurch, dass es (auf dem Grill – so nehme ich an) relativ kross geröstet wurde und dann im Mund einen Crunch-Effekt hatte, den ich mir so für einen Burger nicht wünsche: zu trocken, zu bröselig. Sehr unspektakulär, schade.
Wertung: einfachfleisch

Die Toppings:
Salat, Tomate, Zwiebel. Nicht zu viel davon, nicht zu wenig, allerdings auch ohne Überraschung (zum Beispiel kein Chutney, keine gerösteten Zwiebeln, sowas in der Art) und dadurch ziemlich Standard. Anders formuliert: hätte ich nicht gewusst, dass sie drauf sind, wären sie mir nicht besonders aufgefallen, weder positiv, noch negativ. Der Extra-Bacon gefiel ganz gut, war schön kross und hatte ein dezentes Smokearoma – hier war der Crunchy-Effekt durchaus willkommen.
Wertung: einskommafünffachfleisch

Die Soßen:
Auf dem Burger selbst fand ich keine Soße, auch kein Ketchup. Hm. Auf dem Tisch auch kein Ketchup und keine Soßen – ungewöhnlich für ein BBQ-Restaurant, zumindest habe ich es in den USA anders kennengelernt. Nun könnte man natürlich sagen, dass das Schälchen mit BBQ-Soße auf dem Teller zum Selbstdosieren für den Burger gedacht war (was ich nicht tat). Ich drücke hier einfach mal beide Augen zu (zumal ein guter Burger ohne Soße auskommt) und erwähne wohlwollend, dass diese Soße relativ ok war. Leider nicht spicy, aber alles in allem doch eine solide, leicht süße, leicht rauchig-malzige, BBQ-Soße (wobei ich nicht weiß, ob hausgemacht).
Wertung: einfachfleisch

Der Käse:
Würziger Cheddar, auf dem Patty geschmolzen und genau richtig. Eine der Stärken des Burgers, denn man schmeckte den Käse klar raus, ohne dass er dabei irritierend wirkte. Im Gegenteil, die würzige Note hat perfekt zum Gesamtbild des Burgers gepasst und ihn geschmacklich abgerundet.
Wertung: dreifachfleisch

Das Fleisch:
Es ist bekannt – wir legen Wert auf Fleischqualität, Zubereitung und Geschmack an. In allen drei Punkten kann der Smoketribe Burger auf ganzer Linie überzeugen. Woher das Fleisch bezogen wird, konnte/wollte ich nicht erfahren, vermutlich wird es aber, wie fast alles hier, (angeblich) aus den USA importiert. Zubereitet wird es auch im Smoker und meine ursprüngliche Befürchtung, dass es dadurch trocken werden könnte, bewahrheitete sich zum Glück nicht. Im Gegenteil, das Patty war zwar praktisch well-done gegrillt, aber trotzdem super saftig und, wie der Ami sagen würde, „greasy“ – man muss das mögen, und genau das tue ich (wie der treue Leser weiß). Es klingt eventuell blöd, aber der Geschmack war schön fleischig, nicht überwürzt, sondern fokussiert auf den Eigengeschmack des Fleischs und dazu untermalt von der rauchigen Note des Smokens (die man allerdings mögen muss). Viel besser kann man es vielleicht nicht machen.
Wertung: dreifachfleisch

Die Gesamtwertung:
12 von 18 Punkten, das entspricht guten 2 von 3-fach-Fleisch
Irgendwie lässt mich der Smoketribe-Burger ein wenig ratlos zurück. Zweifelsohne verstehen die Jungs hier etwas vom Burgermachen, allerdings stehen die Top-Bewertungen in den wichtigsten Kategorien Käse und Fleisch dem absoluten Durchschnitt des Buns gegenüber. Das ist hier ein gewaltiges Manko und zwar nicht nur dann, wenn man wie wir Bun-Fetischist ist. Insgesamt kommt ein solider bis guter Burger heraus, der durch ein besseres Brötchen relativ leicht an die Königsklasse anklopfen könnte. Wie dem auch sei, wer einen amerikanischen Burger sucht, der ohne Schnickschnack und Hipstertum auskommt, wird hier nicht enttäuscht.

UPDATE 24.4.14:
Offenbar ist das Smoketribe inzwischen geschlossen.

2 Replies to “Smoketribe BBQ”

  1. Waren gerade dort (24.04.2014). Der Laden hat letzte Woche dicht gemacht. Auf Nachfrage endgültig.
    Schade.

    1. Mist… Danke für die Info!

Schreibe einen Kommentar