Nous étions à Paris: Blend!

test
niyazi (3ff) – Wenn man schon aufgrund einer französischen Romanze sein Unwesen in der französischen Hauptstadt treibt, muss/sollte man sich auch um die französische Burgerküche kümmern. In dem Land der Gourmetköche respektive der Stadt der Liebe, erwartet man nicht unbedingt auch authentische Burger. Eine kurze aber zielgenaue Recherche brachte uns zu den selbsternannten Hamburger-Gourmets von

BLEND
rue d’Argout 75002, 1 Boulevard des Filles du Calvaire
75003 Paris
http://blendhamburger.com

image5

image image7

Gleich zwei von diesen „Gourmet“-Bratereien gibt es in der Stadt, beide sind relativ zentral und dadurch auch gut zu erreichen. Beide sind auch an den jeweiligen Menschenschlangen vor dem Eingang zu erkennen. Man merkt bereits hieran, dass die Burgerwelle auch zu unseren Nachbarn geschwappt ist. Vor dem Laden stehen konstant ca. 20 Menschen aus der Pariser Szene in Reihe und Glied und warten geduldig auf den Einlass, sobald sich Plätze im Inneren leeren.

Die Zeit bis dahin kann man sich mit der Speisekarte vergnügen, die einem gereicht wird, sobald man in der Schlange steht. Die Auswahl hierauf ist begrenzt, was wir im Grunde immer befürworten, solang die Klassiker mit dabei sind. Nach ca. 25 min Wartezeit wird auch uns der Einlass gewährt. Im Inneren geht es schlicht und schnörkellos zu, Mobiliar aus massivem und schlichtem Holz und die Farben weiß und natürlich schwarz dominieren. Hätte sich Steve Jobs für eine Burger-Karriere statt für Apple entschieden, sähen seine Läden wohl ungefähr auch so aus.

Doch kommen wir zum Burger..

Die Optik:
Puristisch, nicht überladen, beschränkt auf das Wesentliche… das sind die ersten Eigenschaften, die, rein optisch gesehen, auffallen. Man sieht hier schon, dass die BLENDer nichts dem Zufall überlassen wollen. Genauso wie die Location selbst, soll der Burger geradlinig und ohne viel Geschnörkel daherkommen.

Er wird in bereits geteilter Form in einem kleinen Körbchen serviert, aufgrund dieser Tatsache kann man wunderbar sehen wie medium oder durchgebraten das Fleisch ist und wie „fluffig“ das Brötchen schon allein von seiner Optik her ist (doch dazu im folgenden Punkt mehr). Einzig den Käse, der sich wie in all unseren Burgerträumen schmelzend über den Fleischrand nach unten gearbeitet haben sollte, sieht man leider nicht auf den ersten Blick, auch hierzu später mehr. Rein von der Optik ist er dennoch ein durchaus klasse präsentierter Burger, der uns wieder mal beweist, dass weniger manchmal doch mehr sein kann – deshalb 2,5-fachfleisch!

Das Brötchen:
Oft haben wir an dieser Stelle die Qualität der Brötchen unserer deutschen Burgerläden kritisiert. Mal waren sie Großbäckereienware und existierten gefühlt lediglich aus Hefe und Luft, mal hatte man die selbstgebackenen Varianten, die so schwer wie ein Wurfgeschoss im Magen lagen. Doch dieses Brötchen mit seinen ästhetisch geformten und braunen Rundungen, könnte man nahezu als perfekt bezeichnen. Die optische Fluffigkeit bestätigt sich bereits mit dem ersten Bissen. Die Innenseiten waren mit Butter angeröstet, was dem ganzen nochmal eine Spur von Süße und Saftigkeit verlieh und das Fleisch als perfekten Begleiter ergänzte.

Obwohl ich als Fan des Sesams diesen hier auch gerne gesehen hätte, gibt es für das (natürlich) selbstgebackene BLEND Brötchen die Wertung: dreifachfleisch.

Die Toppings/Soßen:
Da bei diesem Burger die Toppings mit der Soße einhergehen, möchte ich diese beiden Bewertungskriterien hier zusammenfassen. Bei der Cheezy Variante waren Pickles, Zwiebeln sowie Bacon in die Soße vermengt. Lediglich der fein geschnittene Eisberg Salat war lose als Topping auszumachen. Grundsätzlich keine so schlechte Idee und auf jeden Fall auch eine Variante für die heimische Burgerküche, wie ich finde. Allerdings mit der Ausnahme des Bacons.

Durch die kleingewürfelte Form hatte man stets den Eindruck, als sei Fleischsalat auf dem Burger. Der Geschmack der  durchaus gelungen und schmackhaften, auf Mayonnaise basierende Soße, wurde durch die kleinen Baconstücke zu sehr übertüncht. Zudem werden viele Bacon-Enthusiasten die krossen Eigenschaften des gebratenen bzw. gegrillten Bacons vermissen.

Bei der Classicvariante (HAMB) haben wir nicht mit solchen „Luxusproblemen“ zu hadern von daher gibt es für Soße und Topping insgesamt 2,5-fachfleisch

image1 image2 image3 image4 image6

Der Käse:
Käse hatten wir (leider) nur auf einem der Burger. Sofern ein Burger auf der Speisekarte ohne Käse angeboten wird, kann man auch leider keinen (auch nicht auf Französisch oder für einen Obolus) extra dazu bestellen. Abgesehen vom Käse, werden auch sonst keinerlei Extrawünsche, wie z.B. ohne/mit Pickles, Zwiebeln usw. angenommen, was etwas schade ist. Doch kommen wir zurück zum Käse, der ja auf einem unserer Burger drauf war. Um es bereits vorweg zu nehmen ist dies auch schon die schwächste Seite an dem vorliegenden Burger. Mir ist es leider kaum gelungen den Käse auch nur annähernd Geschmacklich auszumachen. Mit ein Grund hierfür war wahrscheinlich, dass der Käse zu klamm portioniert war – oder womöglich auch die oben beschriebene Problematik mit dem Bacon. Daher gibt es hier nur 1,5-fachfleisch

Das Fleisch:
Vor ca. einem Jahr beschrieben wir den Meatmarket Burger aus London mit der treffenden Metapher „Sex im Mund“.

„Sex im Mund“ soll auch unser Stichwort für Paris sein, genauer gesagt für das Fleisch der BLEND Burger aus Paris. Selten zuvor habe ich solch eine PERFEKTE Zusammensetzung der unterschiedlichsten  Aromen, die Fleisch zu gutem Fleisch machen, auf einmal schmecken dürfen.

Schwer diesen Geschmack zu  beschreiben… ich versuche es:

Jeder kennt diese köstliche (nicht angebrannte) Kruste auf einem perfekt gebratenen Steak. Nehmen wir genau diese Kruste inkl. all seiner Röstaromen, die dem Fleisch seine Würze bzw. seinen Charakter verleihen und paaren es mit Fleischsaft, welches sich schon beim ersten bissen explosionsartig im Mund verteilt. Sogar die bereits mehrfach erwähnten Baconwürfel, konnten mir diesen Geschmack nicht „verspecken“. Ich gebe an dieser Stelle zu, hätte man die Burger nicht bereits durchgeschnitten serviert, glaube ich stark, dass ich ihn rein aus folgender (rein optischer) Vermutung her: starke Kruste = zu Tode (trocken) gebratenes Patty, hätte zurückgehen lassen. Mir ist klar, dass solch ein perfektes Patty Ergebnis zuhause nur schwer realisierbar ist…dennoch wird das BLEND Patty wohl nach diesem Test mit seiner einfachen Gleichung: Röstaromen + Fleischsaft =  DREIFACHFACHFLEISCH, mein Ziel für den heimischen Herd/Grill werden.

Trotz eines kleinen Wermutstropfens, dass einer unserer Test-Burger nicht Medium-Rare sondern eher Medium-Done war, gibt es für das Fleisch ein fettes DREIFACHFLEISCH.

Das Fazit:
12,5 von 15 Punkten
, das sind hervoragende 2,5 von 3-fachfleisch
Zusammenfassen lässt sich sagen, dass der BLEND- Burger nicht (ganz) die perfekt-vollendete Einheit bezeichnet werden kann, die beiden wichtigsten Kriterien (Bun & Patty) werden hier jedoch erstklassig in Szene gesetzt. Dem ersten Test in Paris nach zu urteilen, kann die frz. Metropole bisher demnach nicht ganz mit den Kunstwerken aus London mithalten. Dennoch gibt es hier viele Anregungen für den Burger-Gebrauch zuhause mitzunehmen und die Pariser Burgerszene auch weiterzuverfolgen.

Schreibe einen Kommentar