Ein Stück Land

Kennt ihr eigentlich Hinrich und Lina? Nein? Ich kannte sie auch nicht, ehe ich diesen Sommer mit Hinrich ins Gespräch kam. Er stellte mir ihr Projekt „EinStückLand“ vor, das sich damals noch in den absoluten Kinderschuhen befand.

Worum geht es? Um bewussten Fleischkonsum und vielmehr noch um artgerechte Tierhaltung. Hinrich und Lina leisten hierzu durch die Vermarktung von qualitativ absolut höchstwertigem Galloway-Fleisch ihren Beitrag. Dabei sind die Standards so hoch, wie man sie sonst fast nirgends mehr findet. Die Tiere werden artgerecht gehalten, mit natürlichen Erzeugnissen zugefüttert (sie stehen natürlich ansonsten grasend auf saftigen grünen Wiesen – fast schon kitschig). Kein Kraftfutter, keine Hormone, keine unnötigen Medikamente. Zudem betreiben die involvierten Landwirte eine „Mutterkuhhaltung im Herdenverband“. Das bedeutet, Kälber und ihre Mütter wachsen zusammen auf. Wichtig ist vor allem, dass Landwirte und Tiere in einer engen, liebevollen Beziehung stehen.

Es geht hier auch nicht um Großproduktion. Es werden nur sehr wenige Tiere von sorgfältig ausgewählten Kleinbetrieben geschlachtet, so dass EinStückland über das Jahr hinweg immer nur alle paar Wochen einen Versandtermin hat (nach etwas längerer Pause startet der Verkauf in wenigen Tagen am 25.12. wieder). Dabei wird abgewartet, bis ein Galloway komplett verkauft bzw. das Fleisch vorbestellt ist. Auch hier kommt dann der ganzheitliche Ansatz zum Vorschein: man kann sich nicht für einzelne Cuts oder populäre Stücke wie Filet und Steak entscheiden, sondern hat die Wahl zwischen zwei Fleischpaketen. Generell immer dabei sind Rumpsteak, Rouladen, Gulasch, Braten, Hackfleisch, geräucherte Salami und gebrühte Bratwurst. Das Paket „Lina“ hat obendrauf noch Filet, das Paket „Hinrich“ Hüftsteak. Insgesamt bekommt man 6,5 kg für 185 respektive 175 Euro. Ja, da werden nun einige schlucken. Und ja, im Supermarkt kommt man günstiger weg. Aber wenn man sich vor Augen führt, wie viel Zeit und Arbeit in die Tiere gesteckt werden, wieviel Wert auf das Wohl dieser Tiere gelegt wird, wie nachhaltig dabei gearbeitet wird, dann ist dies durchaus gut investiertes Geld.

Wir hatten uns bei unserer ersten Bestellung für das Paket „Lina“ entschieden. Nun ist es ja durchaus so, dass der Weg aus dem hohen Norden (EinStückLand „sitzt“ in Schleswig-Holstein) nach Wiesbaden kein kurzer ist. Und so fragt man sich, wie das Fleisch denn tiefgefroren diese Strecke überlebt? Erst einmal ist es nicht tiefgefroren, sondern wird frisch vakuumiert verschickt. Dann sind die Pakete mit Kühlbeuteln versehen (die man danach bequem entleeren und zurückschicken kann) und mit Strohblöcken ganz natürlich isoliert. Das Stroh kann man dann zum Beispiel seinen Hasen verfüttern. Ergebnis: das Fleisch kam tip top frisch direkt morgens mit Über-Nacht-Kurier bei uns an. Man kann es also sofort verarbeiten oder aber einfrieren und dann etwas länger aufbewahren.

Nun zum eigentlich Wichtigen: dem Geschmack. Wie man auf den Bildern sehen kann, haben wir natürlich direkt einmal das Hack zu Patties verarbeitet und Burger gemacht. Dafür ist das Hack auch wirklich ideal, da es in „Rollen“ (habe ich so auch noch nie gesehen, also quasi in Wurstform) zu je 300g gepackt ist und man somit nicht sofort 20 Burger machen muss. Auch bei der Zubereitung war ich begeistert: anders als Hack vom Metzger hat es einen sehr brauchbaren Fettanteil und verliert aufgrund der hohen Qualität beim Braten kaum eingelagertes Wasser. Geschmacklich ist es mit konventionellem Fleisch kaum vergleichbar: sehr intensiv, nussig, kräftig. Gewürze benötigt man keine. Einfach Patty formen, ab in die Gusseisenpfanne und ein bisschen Fleur de Sel drüber. Das passt perfekt zu einem Briochebun, milder Soße und Balsamicozwiebeln.

Auch die anderen Bestandteile des Pakets haben wir teilweise schon gegessen und sind wirklich begeistert. Schön ist auch, dass man einige Cuts hat, die man sonst eher nicht kaufen würde und die einem dann wieder Rezepte ins Bewusstsein rücken, die man eigentlich mal wieder machen könnte: Braten, Rouladen, etc.

Nun gibt es EinStückLand circa ein halbes Jahr. Lina macht es inzwischen „hauptberuflich“ und hat ihr Studium pausiert. Hinrich macht es „halb hauptberuflich“ und hat seinen Hauptjob als Bauingenieur reduziert. Es ist also gut angelaufen und ich finde das Projekt der beiden wirklich toll und wünsche ihnen für die Zukunft viel Glück und Erfolg.

Und diese Zukunft soll natürlich noch einiges bringen. Gerade haben sie sich ein schickes Büro eingerichtet und denken über die Einrichtung von Öffnungszeiten nach, zu denen das Fleisch dann vor Ort erworben werde könnte. Aber Hinrich sagt auch klipp und klar, dass ihr Konzept natürlich gewisse Grenzen mit sich bringt, die auch nicht fallen werden: „Die Pakete werden so bleiben. Wir haben gerade eine kleine Änderung vorgenommen, aber die 6,5kg bleiben. Das wird immer unsere Basis sein.“ Das Sortiment wurde aber inzwischen um Salami und Fond erweitert, welche bald online zu erwerben sein werden.

* In Zeiten der Influencer und völligen Verwischung der Grenzen zwischen Objektivität und bezahlter Werbung muss man ja  vorsichtig sein, was man wie schreibt, deswegen an dieser Stelle der Hinweis: dieser Beitrag wurde nicht gesponsored, sondern ist aus Überzeugung entstanden.

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